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Folge 41 Würdest Du Dein Leben

  • christian33307
  • 8. Feb.
  • 17 Min. Lesezeit


Heute stelle ich Christian Frautschi eine Frage, in der es nicht eine richtige oder eine falsche Antwort gibt, sondern allenfalls einfach mehrere mögliche. Würdest du dein Leben nochmals genau gleich leben, wenn du wählen könntest?


Christian, wir haben uns leiten lassen noch von der Fielmann-Werbung, wo der Sohn seinen Vater fragt, wenn du dein Leben nochmals leben könntest, würdest du alles nochmals genau so machen? Und natürlich würde er nicht, er würde seine Brille von Anfang an bei Fielmann kaufen. Okay, diese Brille-Frage schauen wir heute nicht an.

 

Aber ja, wenn wir den ganzen Rest des Lebens anschauen, würdest du nochmals alles genau gleich machen?

 

Christian

Ja, das ist eine ganz gute Frage, ja. Da könnte man jetzt, glaube ich, tagelang darüber philosophieren.

 

Marco

Das kann man, und es gibt tatsächlich ja nicht einfach die einzige richtige oder falsche Antwort.

 

Christian

Also, im Gesamten gesehen würde ich sagen, ja. Weil eigentlich alles, was ich in meinem Leben aus dem Bauch ausgemacht habe, ohne irgendwie ein egoistisches Denken oder ein Wunsch, oder wo immer so nach dem Motto, ich möchte und das will ich jetzt und das tue ich jetzt, wenn man das ausklammert, weil das ich will, oder ich tue das und das, und wo man mit dem Kopf macht, das ist bei mir eigentlich eh in die Hose. Also, wenn ich das Gefühl habe, ich muss jetzt das und das und das und das, ja, dann habe ich entweder Geld oder irgendwie sonst etwas verloren.

 

Aber generell, was ich zum Bauch ausgemacht habe, oder was auch das Leben mit mir gemacht hat, das ist das, wo ich sagen würde, ja, das würde ich genauso machen.

 

Marco

Jetzt hast du ja gerade wieder das gesagt, in schwierigen Situationen mit Geld. Das Beispiel, das du ja ganz häufig in unseren Gesprächen bringst, ist wieder immer der Moment, in dem du deine Firma zutun musstest, weil sie nicht mehr funktioniert hat, weil sie kein Geld mehr verdient hat. Würdest du eventuell in dem Moment, in dem du dich entschieden hast, die Firma überhaupt zu gründen, würdest du dort heute etwas anderes machen?

 

Christian

Nein. Das ist eigentlich alles einer Zufall oder mir zugefallen gewesen. Ich habe ja mit 21 einen schweren Motorrad Unfall gehabt, wo es mir nicht mehr erlaubte, Automechaniker zu sein, meinen wirklich geliebten Beruf auszuleben.

 

Und ich hatte mich ja ganz klar in der Berufslehre, in der Ausbildung schon zielgesetzt. Mit 30 habe ich das erreicht und dann habe ich das erreicht und dann wollte ich das. Das habe ich ganz genau gewusst für mich.

 

Woher mein Leben gehen wird, ist bezüglich. Und dieser Unfall hat mich natürlich völlig zu meinem Konzept gebracht, was ich wollte, weil ich hätte bereits mit 21 ein paar Monate nach der Ausbildung erreicht, was ich mit 30 machen wollte. Was ich gesagt habe, ich habe mit 30 kein Overall mehr an, sondern ein Berufsmantel, wo ich Werkstattchef oder Vorarbeiter bin.

 

Das hätte ich ein paar Monate nach meiner Ausbildung bereits erreicht, weil ich als Mensch so weit gewesen bin, dass ich das eigentlich hätte machen können. Und das hat auch ein Garagist gesehen in mir und hat das auch gewusst, hat das auch realisiert und hat mir diesen Posten auch gegeben. Nur ist es halt einfach nicht so weit gekommen, weil ich kurz nach dem, wo diese Zusage gekommen ist, den schweren Unfall hatte.

 

Und auch selbst hier, ich habe ein Ziel erreicht, wo ich mir einmal gesetzt habe. Einfach viel, viel früher und das war auch okay. Wie das später weitergegangen ist, weiss ich nicht, aber ich konnte dann zwei Jahre nicht arbeiten, zwei Jahre Reha gehabt, Physio und alles zusammen.

 

Und mit 23 wurde dann an mich herangetragen, dass damals ein Kompagnon gesagt hat, ich will das und das Business machen, aber ich mache es nur, wenn du mithilfst, wenn du auch dazu kommst. Und ich habe das gemacht mit ihm zusammen und musste dann aber eine kurze Zeit feststellen, dass er kein Unternehmer ist, dass er einfach das unternehmerische Denken nicht hatte, dass wenn er ein Produkt für 100 Fr. gekauft hätte, hätte er das für 80 Fr.

 

verkauft. Und er hat gesagt, jetzt haben wir 80 Fr. Umsatz gemacht und dass das nicht aufgeht, das weiss man.

 

Und das habe ich auch erkannt, das habe ich auch gesehen. Und ich musste dann auch sagen, entweder du oder ich. Aber im Miteinander funktioniert das nicht, weil ich habe ein unternehmerisches Denken, ich habe ein anderes Denken, als du.

 

Also entscheide ich. Und ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch die Möglichkeit, weil dann vom Unfall her die Auszahlung kam, ein Teil davon, den ich eigentlich auch gut gehabt hätte. Und das hat mir dann auch ermöglicht, dass ich die Firma 100% übernehmen konnte und das dann so machen, wie ich es wollte.

 

Marco

Und war das ein Bauchentscheid von dir?

 

Christian

Das war ein Bauchentscheid, ganz klar. Also erstens einmal, dass ich überhaupt mitmache, obwohl das von dem, von dem wir die Firma abgekauft haben, der ehemalige Chef war, der mich Betrogen hatte, der ein Gangster. Ja, das war mir eigentlich egal, weil ich habe immer gesagt, ich mache etwas so, wie ich das will, aus dem Bauch heraus.

 

Und ich habe das auch so aufgegleist und habe es auch so gemacht. Und es hat mir dementsprechend auch der Erfolg gezeigt. Und auch wenn dieser Unfall damals sehr schlimm war, und wie soll ich sagen, nicht einfach war für mich in dieser Situation, umzugehen, dass du eigentlich dein Lebensziel, das du als Automechaniker hattest, und was wolltest du damit verwirklichen, nicht erfüllen konnte.

 

Das hat es dann halt einfach schlussendlich als selbstständigen Erwerbenden halt einfach dann in den Business so gezeigt, wo ich schlussendlich auch sehr, sehr erfolgreich gewesen bin. Und das hat mich erfüllt. Ich hatte schon gewusst, das, was wir da gemacht haben, dass mit diesen Produkten und mit diesen Margen, die wir hatten, wenn ich in einem anderen Sektor gewesen wäre, mit anderen Produkten, das Gleiche gemacht hätte, mit dem gleichen Aufwand, mit dem gleichen Enthusiasmus, mit der gleichen Begeisterung, die ich hier für die Karosserie- und Autoteile gegeben habe, wenn ich das mit irgendeinem anderen Produkt gemacht hätte, dann wäre ich mit 30 ein Millionär gewesen. Das wusste ich, das war mir bewusst. Aber ich habe halt einfach mit kleineren Brötchen gebacken.

 

Aber es hat mich wirklich vollends erfüllt. Und es war okay, es hat gestimmt für mich. Man hat halt einfach ein bisschen länger gebraucht, um dorthin zu kommen.

 

Und von dem her ist das, wie gesagt, ein Bauchentscheid gewesen. Und es war eine Chance, ja. Was ich anders machen würde, das wäre einfach, dass ich...

 

Ich bin familiär in dem Sinn, wie soll ich sagen, meine Eltern haben sehr vieles einfach gesagt. Die haben mir viel Liebe, viel Gegenüber, sich viel Gutes vorgelebt. Also ein Herz, eine Seele, wie man so schön sagt.

 

Und von dem her war ich nie derjenige, der knallhart in eine Sache gehandelt habe. Und da muss ich sagen, was ich vielleicht eher hätte anders machen können, wäre, dass ich eigentlich, wenn ich die Erkenntnis damals schon hatte, dass man härter vorgehen muss, dass man härter verhandeln und tun muss, dass ich da vielleicht ein bisschen mehr erreicht hätte oder etwas hätte machen können. Aber es war so, wie es war.

 

Und meine Eltern haben mir das vorgelebt. Und zum Teil erlebt man es halt eben danach. Obwohl ich im Business viel, viel mehr wirklich einfach das, was mein Gefühl gezeigt hat, gemacht habe.

 

Auch wenn ich einen Widerstand von aussen hatte, dass sie das einfach wirklich durchgezogen haben, was im privaten Bereich weniger der Fall war.

 

Marco

Jetzt machen sich ja alle Leute irgendeine Form von Gedanken, wenn es genauso um Weichenstellungen geht, um Entscheidungen, die dann irgendwie in Zukunft auf die eine oder die andere Seite führen. Hast du Erfahrungen, das weiss ich gar nicht, aber wenn man das weiss, aufgrund von Gesprächen mit deinen Klientinnen und Klienten, was ist für eine Mehrheit wichtiger, den Bauch oder den Kopf? Wie machen das die meisten Leute?

 

Christian

Also bei denen, wo der Kopf entscheidend ist im Leben, ist die Gefahr viel grösser, dass du den Kopf, den Grind, schlichtweg anschlägst. Weil es gibt ja in dem Sinne Grundtypen von Menschen. Entweder bist du einer, der dem Bauch viel Raum und Platz gibt und der dann vielleicht auch nachhaltiger denkt.

 

Und die anderen, die dann einfach mit dem Kopf etwas durchstieren wollen, wo man sagt, das und das und das und das, das macht man jetzt so und so und so und dann habe ich in diesem Alter so und so viel Geld auf der Seite und weisst du was alles? Die sind die, die wirklich mehr Mühe haben mit sich selber. Weil einfach, wenn das vom Kopf her nicht mehr aufgeht, dass sie dann halt einfach wirklich in eine Krise kommt.

 

Und man kann jetzt etwa nicht sagen, das kommt irgendwo an sein Ziel. Nach dem Motto, das Ziel ist wichtig. Und die anderen sagen, der Weg ist wichtig.

 

Ich sage auch, der Weg ist wichtig. Ich hatte schon immer irgendwo ein Ziel, aber dieses Ziel hatte ich ganz alleine, für mich alleine. Ich habe es nie jemandem gesagt, ich habe nie ein Ziel gesagt, das für mich irgendwann massgebend ist.

 

Ich habe das immer für mich gemacht, nach dem Motto, ich würde mich dort sehen und das ist eigentlich schön. Aber nicht, ich dort hin, sondern es war ein Gefühl, das wäre noch cool. Und von dem her, ja, habe ich halt immer, wenn es ging, habe ich die Bauchentscheidung gemacht.

 

Marco

Okay, also dein, das wäre noch cool, ist jetzt in dem Sinne etwas, das natürlich offen lässt, es könnte auch anders kommen. Das ist mir wahrscheinlich von Anfang an flexibler.

 

Christian

Ja, sicher, es ist auch viel anders geworden. Es ist auch viel anders gekommen. Ich meine, ich hatte eine Scheidung, ich hatte dies und das.

 

Ja, sicher. Wo ich mir vielleicht auch anders gewünscht hätte. Und wo ich vielleicht heute im Nachhinein sage, da hätte ich vielleicht etwas anderes gemacht, wenn ich hätte können.

 

Aber wenn ich als Mensch nichts anderes handeln kann, dann habe ich halt nicht anders können, sondern dann habe ich es eben genau dann richtig gemacht. Und da muss ich im Nachhinein auch nicht hadern damit oder mir Vorwürfe machen. Ich hätte es anders machen sollen.

 

Marco

Das heisst, man weiss ja auch, es gibt einfach Sachen, die anders laufen, als man sie am Anfang gedacht hat.

 

Christian

Ja, sicher. Und, wie gesagt, es gibt sicher Punkte, wo ich, ich habe ja gesagt, eine Scheidung zum Beispiel, wo ich gewusst habe, da, auf diesem Weg geht es jetzt einfach nicht weiter. Es ist gar nicht sonst gehe ich zu Grunde, ich muss da einen anderen Weg einschlagen.

 

Und das habe ich dann auch eingeschlagen und das habe ich dann auch gemacht. Auch wenn für mich das verdammt hart gewesen ist, wenn du als Familienmensch, der wirklich die Familie und die Kinder in diesem Sinn, wirklich geliebt hat und das gelebt hat, und das auch nicht irgendwie auch Probleme gegeben hat im Umgang mit den Kindern, dass das Mühe gemacht hätte oder das oder das, überhaupt nicht. Das war für mich völlig normal und auch, ich sage jetzt auch, beschwerdenfrei.

 

Dass ich aber genau in diesem Zeitpunkt die Familie verlassen musste. Heute weiss ich warum, ja. Aber damals war es sehr, sehr schwierig.

 

Für mich musste ich effektiv von diesem Familienmensch zum alleinstehenden Mensch und Vater gehen. Und mich auch dementsprechend anpassen, weil sonst hätte es mich noch viel mehr beschäftigt, als es mich sonst schon beschäftigt hat. Und ja, da kann man vielleicht heute im Nachhinein sagen, da hätte ich vielleicht auch das Verhältnis gegenüber den Kindern.

 

Wie das ist und wie man das hat. Das hätte ich vielleicht dort, ich weiss auch nicht, anders machen können oder anders machen müssen. Aber, das kann man immer sagen, aber irgendwie hat es trotzdem für mich gar keinen anderen Weg gegeben.

 

Weil das, was mit mir dann gemacht wurde, wo ich heute einfach auch Hilflos war und einfach dem Bauchentscheid gefolgt bin und dann auch mit 39 dementsprechend die Firma aufgelöst habe. Weil die Firma keine Zukunft hatte. Weil wir haben Karosserie-Teile verkauft, für Autos, die rusten.

 

Aber die Autos haben dann nicht mehr gerostet. Die Autos sind langlebiger und neuer geworden. Und die Margen sind kleiner geworden.

 

Also hat es keinen Sinn mehr gemacht, weil ich hätte anfangen, Geld zu verlieren. Und das wollte ich nicht. Ich habe gesagt, ich arbeite nicht irgendwie 16 Jahre für etwas, das ich schlussendlich nicht mehr habe.

 

Also mache ich jetzt hier einfach mal einen Schnitt. Obwohl ich nicht wusste, was kommt nachher auf mich zu. Ich habe es einfach gemacht.

 

Und dann ist halt einfach das Leben auf mich zugekommen. Zum Therapeuten. Ich wusste damals, als ich die Firma geschlossen habe, bin ich nachher für einen Monat nach Amerika, um einfach quer durch Amerika durchzufahren mit dem Auto ganz allein für mich.

 

Um für mich zu wissen, was ich überhaupt nacher machen will.

 

Marco

Also war diese Krise letztlich auch eine Chance, weil du musstest wieder anschauen, was kann werden.

 

Christian

Ich musste das Leben passieren lassen und einfach mal fragen, was ich überhaupt will jetzt. Und ich weiss noch diesen Moment. Ich bin ins Flugzeug gestiegen, ins Kloten, und habe mich zu mir gesagt, Christian, wenn du nach Hause kommst, weisst du, was du tust in Zukunft.

 

Beim Steigen des Flugzeugs, wir waren noch nicht auf der Flughöhe, kommt eine Einsicht, eine Eingebung, oder wie man das auch immer sagen möchte. Und mein Wunsch war zu diesem Zeitpunkt, ich möchte mit Menschen arbeiten. Ich kann mit Menschen umgehen.

 

Ich finde das faszinierend. Ich fand das faszinierend, schon als Unternehmer, wenn du zwischen 13 und 14, 15 Leute hast, die Machertypen sind, dass du dich auf der gleichen Linie haben konntest. Scorpions, Waagen, die sehr egoistisch, stur und dickköpfig sind.

 

Ich bin ja selber ein Scorpion. Dass wir ein Team waren und ich das annehmen konnte, und jeder so stehen lassen konnte, wie er ist. Egal, was in seinem Leben passiert ist.

 

Dass man dann auch hergegangen ist, mit ihm das angeschaut hat, und gesagt hat, das war jetzt gut, wir sind ein Team und wir gehen vorwärts. Ich wusste, ich kann mit den Leuten umgehen. Und ich kann auch als Leiter mit den Leuten umgehen, dass ich weiss, wie ich etwas machen muss, wie ich etwas führen darf.

 

In diesem Moment wusste ich, ich will mit Menschen arbeiten. Viele sagen, das höre ich x-mal am Tag. Viele sagen, wenn sie in einer Krise sind, sagen dann, ich möchte den Menschen helfen.

 

Das höre ich x-mal am Tag. Und das ist genau das, was ich nicht hatte. Ich möchte nicht den Menschen helfen, sondern ich möchte mit Menschen arbeiten.

 

Marco

Okay, aber jetzt bist du doch irgendwo gelandet, wo du ihnen schon hilfst, aber natürlich mit ihnen. Das ist jetzt irgendwie beides unter dem gleichen Hut.

 

Christian

Ich bin einfach mich. Und wenn ich mich bin und das hilft den Menschen, dann ist das wunderschön. Aber ich brauche es nicht, um ein gutes Gefühl zu haben, um den Menschen helfen zu können.

 

Weil dieses Ego, durch mein verrücktes Leben, das ich hatte, ist effektiv weggebrochen. Es gibt für mich kein Ego mehr. Also, ich möchte das und das machen, und dann mache ich es und dann tue ich es aber auch.

 

Und wenn etwas von dem, was ich machen wollte, nicht gut ist, dann zeigt mir das Leben dann schon an. Dann machen wir halt wieder etwas anderes.

 

Marco

Das wäre für dich auch im Moment wieder denkbar, also ganz theoretisch, das sieht jetzt nicht danach aus, angenommen, es kommt die nächste ganz grosse Krise, wäre etwas völlig Neues noch einmal denkbar?

 

Christian

Nein, im Moment nicht. Denn das, was ich heute machen darf, das, was ich heute tue, dass ich wirklich einfach kann mich sein und mein mich so sein, in dieser Umgebung, die ich hier habe, die ich mit dieser Praxis habe, die für mich eine absolute Erfüllung ist. Das ist mal das Eine.

 

Und das Zweite ist, ich war immer einer, der extreme Herausforderungen gesucht hat. Mir war es eigentlich auf einer Seite sogar gleich, dass ich damals das Geschäft zumachen musste, weil es für mich keine Herausforderungen mehr gab. Ich habe mich z.B. zwischen 25 und 28 damals mein Geschäftsvolumen versiebzehnfacht, innerhalb von zwei Jahren. Und das fand ich so geil, das war so eine coole Herausforderung. Und dann hatten wir noch den Hagelschaden, da haben alle unsere Autos zusammen gehagelt, mit den Versicherungen schauen und machen, und dann haben wir noch das Geschäft gezögert. Da war ich voll im Element, weil ich ein Mensch bin, der Herausforderungen braucht.

 

Ich will wirken und meinen Kopf einsetzen können. Wie können wir das lösen? Für mich gibt es keine Probleme, für mich gibt es nur Lösungen.

 

Und das ist das, was ich heute tue. Ich habe x-mal am Tag eine absolut neue Herausforderung. Ich habe sowas von gegensätzlichen Klienten, vom kleinen Baby, über den 90-Jährigen, über den Unternehmer, über die normale Hausfrau, über den Verkäufer, über den Alkoholiker, über alles, wo ein ganzes Spektrum von Menschen meine Herausforderung ist hier.

 

Und das ist das, was unheimlich Spass macht. Und in welchem Job, was gibt es im Leben, wo du x-mal am Tag eine neue Aufgabe und eine neue Herausforderung hast? Das gibt es sonst nie.

 

Das sage ich jetzt. Und das ist auch das Geile heute, wo ich sagen darf, es kann nichts Schöneres sein als das. Wir haben das schon einmal diskutiert.

 

Ja, wir sind im Alter, in dem die anderen aufhören mit arbeiten. Du hast gesagt, du schaffst noch 20, 30 Jahre. Ich schaffe noch 20, 30 Jahre.

 

Marco

30 Jahre habe ich vielleicht nicht gesagt, aber 20.

 

Christian

Aber 20 hast du gesagt. Wir machen noch 20 Jahre Podcast. Du kannst jetzt nicht einfach aufhören und abhauen.

 

Das geht nicht. Sonst musst du zum Christian. Der sagt dir dann schon, dass es geht.

 

Nein, Spaß beiseite. Aber es gibt nichts Schöneres. Es gibt nichts Schöneres und erfüllt alles, was ich heute machen darf.

 

Eben genau das, was ich damals im Flugzeug im Kopf hatte. Ich wollte mit Menschen arbeiten. Je grösser die Herausforderung ist, desto schöner macht es das.

 

Marco

Jetzt kann man natürlich bei dieser ganzen Geschichte darüber diskutieren, ob das alles deine eigenen Entscheidungen waren oder ob irgendeine Form von Schicksal dich dort hingeführt hat.

 

Christian

Wenn ich die Schicksal nicht gesehen habe, dann waren es die Schicksal, die mich dort hingeführt haben. Wenn ich zu diesem Zeitpunkt nicht Unternehmer geworden wäre, hätte ich meinen Beruf noch ausüben können. Mein Ziel war anders.

 

Mein Ziel war, mit 30 kein Übergewand mehr zu haben. All die Dinge, die sich hier erregt haben, waren Schicksale. Das will ich immer wieder sagen.

 

Auch mit 39, als ich das Geschäft aufgegeben habe, als ich schlichtweg alles verlor, also ein bisschen später, weil ich das, was ich noch hatte, falsch investiert habe. Ich habe es mit dem Kopf gemacht und nicht auf den Bauch gehört. Ich habe mich ein bisschen überreden lassen.

 

Ich habe dort mein Geld hineingeschmissen und bin vorwärts gegangen. Ich habe es dementsprechend auch verloren. Der Kopf hat nicht zugelassen, dass es nicht funktioniert.

 

Ich habe immer gesagt, dass alles, was ich mache, funktioniert. Das ist dann anders herausgekommen. Ich habe schlichtweg alles Geld verloren.

 

Ich meine, im Jahr 2000 und 2002, genau zu diesem Zeitpunkt, jetzt, wo wir hier stehen, kurz nach Weihnachten, war ich absolut mittellos. Ich hatte schlichtweg nichts mehr. Ich hatte einen Gerichtsentscheid, dass ich zum aus dem Haus aus musste.

 

Ich hatte so viel am Hals. Ich hatte einen leeren Benzintank. Ich hätte nicht einmal mehr ins Dorf fahren können, um Benzin zu holen.

 

Ich konnte schlichtweg nichts mehr. Dann hat mir eine Bekannte, eine Kollegin, hat mir geholfen und 200 Franken gebracht, damit ich überhaupt ein bisschen Benzin Tanken konnte, und etwas kaufen konnte, weil meine Kinder zu mir gekommen sind, um Weihnachten zu feiern. Ich habe damals meinen Kollegen gesagt, es war wirklich knallhart.

 

Das, was ich hier erlebe, ist einmal mein Geschenk. Dann hat sie mir gesagt, ich sei ein Arschloch, wie kann das ein Geschenk sein? In der Situation, in der du jetzt bist, du hast kein Bett mehr, kein Geld mehr, nichts mehr, du hast deinen ganzen Stolz und deine ganze Ehre verloren, wie kann das ein Geschenk sein?

 

Ich habe immer gesagt, warte ab. Ich muss sagen, das war ein Schicksalsschlag, der mich in die Richtung geführt hat, in der ich heute bin. Dann sind die von Oben, die Kumpels gekommen und haben gesagt, du bist reich.

 

Ich habe gesagt, ich bin nicht reich. Sie sagten, du bist Reich, du hast heilende Hände, wir haben dir heilige Geschenke geschenkt und all deine Fähigkeiten, du bist reich. Okay, und jetzt, wie soll ich das publik machen?

 

Wie kann ich das? Ja, du wirst ein Buch schreiben, wir schenken dir ein Buch. Ich kann ja nie ein Buch schreiben, wie soll ich ein Buch schreiben?

 

Und überhaupt, über was? Sie sagten, warst ab. Ja, ich bin ein paar Monate später, ich wollte dann auf Amerika auswandern, nach dem Motto, ich lasse alles hinter mir, ich habe ja eh nichts mehr, ich kann ja eh nichts mehr verlieren, also kann ich ja da drüber neu angefangen.

 

Ja, und dann, ein paar Monate später, ich glaube drei Monate später war es, oder zweieinhalb Monate später, eines Morgens bin ich aufgestanden, da hat es geheissen, So Du fängst jetzt an, schreibe ein Buch. Ich bin hergekommen und habe mein erstes Buch geschrieben, die Wirbelsäulen-Serie. Ich wusste nicht, was ich schreibe, aber ich habe es geschrieben.

 

Ich habe ja hier bereits aus Spass, aus Freude, neben Ihnen mit den Klienten gearbeitet und all das habe ich auch niedergeschrieben, plus all das, was ich einfach nicht wusste, was wir durchgegeben haben, ich sage jetzt mal als Botschaft oder als Gedanken, um das niederzuschreiben. Ich wusste nie, was ich schreibe, ich habe einfach geschrieben. Und das hat mich dann wieder dorthin geführt, dass ich an jemanden gekommen bin, der sagte, schau, hier hast du einen Raum, du musst wieder arbeiten, du kannst gratis dort neu beginnen.

 

Ich bin hergegangen, ich habe angefangen, ich habe gemacht, und das war irgendwo mein Weg. Und irgendwo habe ich das Buch, das ich geschrieben habe, ausgedruckt mit dem alten Drucker, habe das in der Praxis beim Warteraum, beim Tisch, der dort gestanden ist, hingelegt und die Leute haben das gelesen. Und irgendwann kam dann jemand auf mich zu und sagte, du, du hast ein Buch geschrieben, ich möchte es verlegen.

 

Ich sagte, ja gut, dann mach du. Und das Buch kam dann heraus und innerhalb der kürzesten Zeit hat das eingeschlagen wie eine Bombe. Und das war dann einfach mein weiterer Weg.

 

Und dann bin ich einfach auch immer mehr vorwärts gegangen und habe meinen Weg gefolgt. Ich hatte einen Raum, ich hatte zwei Räume, die ich wechseln konnte. Dann hatte ich eine Assistentin, dann hatte ich das, ich habe einfach immer weitergemacht.

 

Dann wollte ich das Gebäude kaufen, in dem ich war, weil ich einfach gut verdient habe. Und dann hat die Frau, die mir das verkaufen wollte, einfach eine Meise gehabt und hat wollte einen überrissenen Preis. Und dann habe ich gesagt, nein, das mache ich nicht mit.

 

Ich bin hier auf der Seestrasse runtergefahren, wollte Pizza essen, Richtung Zürich runter. Ich sehe hier draussen, hier an dieser Scheibe zu vermieten, 230 Quadratmeter für Praxis/Büro. Ich dachte, ups, scheisse...

 

Da ist ja der See, da ist ja der Hafen. Das wäre mein Traum. Zwei Tage später bin ich hier gestanden, in diesem Rohbau, und habe das angeschaut.

 

Ich habe gesagt, gut, OK machen wir. Ich hatte irgendwie nicht gewusst, wie finanziere ich das, wie mache ich das. Ich habe einfach den Vertrag unterschrieben, kurz vor Jahresende.

 

Auch wieder zu dieser Zeit, 2012 war das. Und an der Ostern 2013 war das fertig eingerichtet. Ich habe mit Freunden, mit Kollegen all die Wände reingezogen, die Fenster reingemacht und es so gemacht, wie ich das wollte.

 

Wir haben innerhalb von vier Monaten aus dem Rohbau eine Praxis gemacht das da auf die Beine gestellt. Ich bin einfach diesen Weg weitergegangen. Es ist einfach irgendwie gegangen, und aufgegangen.

 

Mein Bauch füllte, das mache ich jetzt. Wie, weiss ich nicht, aber ich mache es.

 

Marco

Jetzt könnte man daraus schliessen, man kann einfach warten, und das Leben wird einem das bringen. Ganz so einfach ist es wahrscheinlich doch nicht.

 

Christian

Nein, sicher nicht. Aber es hat natürlich auch damit zu tun, dass man einfach auch an sich glauben darf. Was man wissen darf, und was wir uns wirklich, wo jeder sich bewusst sein kann, dein erster Gedanke zu einer Person, zu einer Situation, zu einem Job, zu einem Auto oder was auch immer.

 

Der erste Eindruck, den du hast, das ist der, der aus dem Herzen kommt, der eigentlich beim Bauch entscheidend ist. Und der stimmt. Und wenn du nachher deinen Willen einsetzt, um das umzusetzen, dann darfst du auch Erfolg haben.

 

Aber nicht zuerst den Grind einsetzen und dann irgendwie das Gefühl, das geht dann schon, weil das funktioniert nicht. Das habe ich auch schon gemacht, das hat einfach nicht funktioniert. Aber einfach der erste Eindruck, das erste Gefühl, das ist das, was stimmt.

 

Und mein Leben hat einfach mir gezeigt, bist einfach so ehrlich zu dir selber und das, was du fühlst und empfindest, dass du auch dazu stehst. Und das merke ich ja auch meine Klienten. Es ist ja x-mal, wenn jemand nachher aufsteht und sagt, Hör mal, wenn du A denkst und fühlst, dann stehe dazu und Handle nicht B, oder reagiere nicht B weil das die Gesellschaft will, weil das ein Partner will, weil das ein Chef will oder was auch immer, sondern sei einfach ehrlich zu dir Selbst.

 

Wenn du A denkst, dann machst A und alles andere kommt dann schon so, wie es muss. Und wenn es halt manchmal einen Schicksalsschlag braucht, dann braucht es den auch. Und ich habe aus jedem Schicksalsschlag gelernt.

 

Und ich möchte keinen missen. Und sicher, wie gesagt, die einen und die anderen Sachen würde ich anders machen heute, die man nicht mehr ändern kann. Aber generell, ja, ich würde mein Leben genau gleich leben, wie ich es gemacht habe, auch wenn ich die Brille nicht bei Fielmann gekauft habe.

 

Marco

Das ist wahrscheinlich auch das, was wir den Zuhörerinnen und Zuschauern mitgeben können. Es gibt ja wahrscheinlich auch unter euch Leute, die im Moment gerade eine schwierige Entscheidung fällen müssen. Es gibt immer Momente, wo sie sich in Bezug auf irgendeine Weichenstellung sagen, ich gehe nicht da, ich gehe nicht da.

 

Das heisst also, wir bringen nochmal das Bauchgefühl, was du jetzt forderst.

 

Christian

Ja, so ist es. Und dürfen wir dem Raum und Platz geben, dem Bauchgefühl. Egal, ob nach der Weihnachtszeit der Bauch etwas grösser ist.

 

Aber das Bauchgefühl ist schon richtig.

 

Marco

In diesem Sinne. Okay, macht das, macht es gut.

 

Christian

Bis zum nächsten Mal.

 

Marco

Danke.

 
 
 

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