Folge-36- Organ Transplation – Christian Frautschi und die Wirbelsäulenseele.
- frautschi
- 7. Dez. 2025
- 16 Min. Lesezeit

Heute reden wir über Organtransplantationen. Ein Thema, das Gemüter bewegt. Was sind Fakten?
Was sind Argumente für Transplantationen? Was sind Argumente dagegen?
Marco
Christian, du kennst ganz viele Leute, weil du ganz viele Klienten hast. Und du hast deine Meinung über ihre Situation, über ihre Krankheiten, über ihre Probleme. Das betrifft zum Teil ja auch Organe.
Was hast du für eine Haltung gegenüber der Organtransplantation?
Christian
Meine Haltung ist, ich meine, meine Haltung muss ja auch sein, dass jeder sich sein Leben in die Hand nimmt und seine Knoten, auf Deutsch gesagt, in seinem Leben selber auflöst. Oder wenn es nicht kann, dass man einfach Hilfe holen darf. Egal, auf welche Art und Weise.
Aber einfach irgendwie, weisst du, so dieser Satz von früher, so wie mein Vater oder so wie meine Mutter, will ich dann nicht werden. Und viele, die das vielleicht einmal gesagt haben, sind aber genau so geworden. Weil das Leben ist irgendwie über 15, 20, 25 Jahre, je nachdem wie lange das jemand zu Hause wohnt, vorgelebt worden.
Und das tun wir unbewusst, leben wir das nach. Und mit dem Nachleben ist halt einfach auch manchmal das Problem, dass du das einfach, wenn etwas vorgelebt wird, du kannst dich gar nicht wehren. Das kommt ja gar nicht in den Sinn, dass du dich wehren musst, um etwas zu ändern.
Ein Beispiel, warum das so ist, ist die Sprache. Wir sprechen irgendwann die Sprache der Eltern. Und das ist so selbstverständlich, dass man Deutsch spricht, oder dass man die Heimatsprache spricht, oder die Muttersprache spricht, auch wenn es eine Vatersprache ist.
Wieso spricht eigentlich niemand von der Vatersprache?
Marco
Ist ja egal. Kommt Du vielleicht mal zu den Organen, ich weiss noch gar nicht, was das jetzt hier wird.
Christian
Ja, es geht darum, dass man die Probleme, die man mit auf den Weg nimmt und irgendwann erkennt, dass man diese Probleme lösen darf. Weil diese Probleme sind in unserem Körper abgespeichert. Die sind in unseren Seelen abgespeichert.
Die sind in den einzelnen Organen abgespeichert. Und ich bin der Meinung, man soll diese Probleme Best möglichst lösen können, dass wir zum Beispiel, wenn jetzt jemand mit Nierenproblemen hatte, von einem Eltern Teil, oder vielleicht sogar an der Dialyse gelandet ist, dass man das wirklich mal hinterfragen darf und sagen darf, was ist überhaupt dahinter? Und warum ist das so?
Dass man das selber lösen kann, zum Beispiel, was vielleicht schon vorher über Generationen war, um das anders zu machen oder besser zu machen, dass wir selber nicht in die gleiche Situation kommen. Eben, dass wir nicht Mutter oder Vater nachleben. Und logisch, es gibt halt Fälle, wo das wirklich schlichtweg so tief ist, über xx Generationen, wo irgendwie das gar nicht bewusst ist, dass man da etwas ändern müsste, ändern kann.
Und ja, ich meine, ich bin nicht generell gegen die Organtransplantation, aber ich sage immer, hey, schaut es doch vorher an, dass es nicht sein muss.
Marco
Okay, da können wir vielleicht noch darauf zählen und schauen, was kann man denn vorher tun? Das Problem ist ja sowieso, wenn es dann aber einmal so weit ist, dass es jetzt sein muss, dann ist die Schwierigkeit ja die, dass man ein Organ nicht einfach im Migros kauft, das können wir sagen, bitte sehr, sondern es muss ja einen Spender geben, und das macht das Ganze dann ja so schwierig. Also der Spender muss jetzt im Fall von einer Leber oder Nieren jemand sein, der noch lebt und mir das als Lebensspende gibt.
Oder bei Herz und Lunge muss ich dann einen Toten haben, von dem ich das nehmen kann. Und dort fangen dann ja die schwierigen Fragen an.
Christian
Also erstens einmal das Bewusstsein, und das spreche ich jetzt vielleicht aus der Sicht des Patienten, des Klienten, wie die sich das vorstellen, das weiss ich jetzt nicht genau, ich habe schon einmal jemanden darauf angesprochen, was denkst denn du, wie du dich damit umgehen kannst, dass eigentlich bevor du ein Organ bekommst, jemand muss sterben. Logisch, ich sage jetzt in diesem Fall, wenn man zu so einer Person, schau mal, jede Seele hat seinen Weg und seine Bestimmung, und diese Person stirbt nicht einfach umsonst, sondern das ist irgendwo auf seinem Lebensplan. Ob das ein Unfall sei, oder ob es eine Krankheit sei, oder was auch immer, also diese Gewissensfrage, die kann man ein wenig relativieren, weil es nicht einfach so passiert ist.
Ja, aber was man dabei nicht vergessen darf, weil eben wie ich vorhin gesagt habe, diese verschiedenen Ereignisse und Dinge, die in uns drin sind, die uns vorgelebt worden sind, die sind in unserer Seele, die sind in der Seele Teil eines Organs. Wenn ich mit jemandem arbeite, dann arbeite ich auch über die Wirbelsäule, die mit den Nervenbahnen über das Organ verbunden ist. Also ich arbeite mit dem Organ.
Und je nachdem, wenn ich auf der Nieren arbeite, dann sagt mir die Nieren etwas, durch meine Fähigkeiten sagt sie mir etwas, was hier mal vor x Generationen war, wo viel Hass und Wut herum ist, sich nicht ausdrücken kann und weiss, was alles zusammen ist, und einfach das in sich hineinfressen und nicht herauslassen kann, dass das einfach dort drin sitzt. Und wenn man das nicht auflösen kann, dann kann es dementsprechende Folgeschäden geben, bis ein Organ nicht mehr richtig funktioniert, oder nicht mehr die Leistung hat, die es haben sollte. Und dann braucht man halt eine neue Niere.
Marco
Aber kann man dann sagen, dass derjenige, der jetzt ein neues Organ braucht, das hätte verhindern können?
Christian
Ich sage mal, die Anzeichen sind sicher da, aber wir dürfen auch akzeptieren, und das muss auch ich als Therapeut akzeptieren, wenn jemand einfach in seinem Leben noch nicht bereit war, noch nicht genug schlimm war, was es mit einem macht. Ich habe jemanden, der die Mutter schon das Problem hatte, und sie hat es jetzt auch. Ich finde es tragisch, wenn man das vorher noch nicht gesehen hat, dass die Mutter das Problem hatte und heute einfach 2-3 Mal in der Woche in Dialyse muss und sie schlussendlich auch.
Das finde ich krass, dass man das noch nicht auf die Reihe gebracht hat. Wir dürfen akzeptieren, dass jemand noch nicht bereit war oder einfach keinen Weg dazu hatte. Das dürfen wir akzeptieren.
Marco
Können wir nicht auch sagen, es ist einfach in dieser Familie ein genetisches Problem und das passiert halt?
Christian
Ja, aber wir dürfen auch ein genetisches Problem auflösen. Ich sage nie, es ist ein genetisches Problem, es ist ein seelisches Problem. Denn die Seele zählt bestimmt nachher, welches Gen du hast.
Und wenn ich ein bestimmtes Thema, das von einer verletzten Seele mit auf den Weg genommen wurde, auflösen kann, dementsprechend sind auch Gene anders. Das ist meine Überlegung. Dürfen wir auch widerlegt sein und sagen, es stimmt nicht so, ist mir egal.
Aber das ist das, was maßgebend ist, das, was die Seele daraus macht. Auch wenn wir das Gen in uns tragen, heisst das noch lange nicht, dass es aktiv werden muss. Bei mir in diesem Leben, das wissen wir aber auch, bei Krankheiten, wo man spezifisch auf eine bestimmte Krankheit nicht ist, geht man einen Untersuch machen und diese Person gar nicht weiss, dass sie diese hat und dann gar nicht ausbricht.
Dann gibt es halt solche, die es ausbricht und dann schaut man, das war ja hier schon drin. Ich sage, es ist nicht zu unterschätzen, was in jedem einzelnen Organ gespeichert ist. Die Sätze von früher, was ist da über das Leben gekrochen, was geht da an die Nieren, die haben verdammt viel Wahrheit.
Und das stimmt auch. Das ist die Erkenntnis, die hat man früher schon gehabt. Die Anthroposophen haben so gearbeitet.
Und das ist das, wo man weiss, dass dieser Teil wirklich in den entsprechenden Organen gespeichert wird. Wenn ich das nicht aufschaffen kann und ich muss ein Organ von jemandem haben, es geht nicht anders. Der liebe Gott hätte nicht erfunden oder zugelassen, was man unter dem Begriff "Lieb Gott" versteht, dass die Medizin die Fortschritte machen kann, dass man Organe transplantieren kann.
Wenn das generell schlichtweg nicht unserem Lebenssinn entsprochen hätte, dann hätte er das auch nicht zugelassen.
Marco
Das ist eine interessante These und führt zu schwierigen Fragen, wie es natürlich heisst, dürfen wir in diesem Fall alles machen, weil wir jetzt können. Und wo wären die Grenzen? Du hast mit einem schönen Gottesbild argumentiert, dass es gerade von der religiösen Seite her Leute gibt, die sagen, dass Gott das nicht wollte und darum dürfen wir das nicht.
Christian
Was schlussendlich Gott in diesem Sinne wollte, das weiss ich nicht das konnte ich nicht mit ihm bei einem Bier besprechen. Das konnte ich mit ihm noch nie besprechen. Es hat vielleicht etwas daran, aber das hat doch mit der Religion nichts zu tun.
Das hat mit unserem Moral und mit unserem ethischen Empfinden zu tun. Dürfen wir das oder dürfen wir das nicht? Das stimmt.
Marco
Da kann man auch als nicht-religiöser Mensch darüber nachdenken. Es ist sowieso eine schwierige Frage, dürfen wir das und wie weit dürfen wir das? Das Problem ist ja die Entnahme von einem Organ, von einem anderen Mensch.
Man nimmt dann etwas, egal ob er noch lebt. Das ist ja freiwillig. Wenn er nicht mehr lebt, haben wir ihn gar nie gefragt.
Das ist ein schwieriger Punkt.
Christian
Ja, weil vielleicht will er gar nicht, vielleicht will er gar nicht, vielleicht haben dann einfach seine Verwandten bestimmt. Oder vielleicht hat man eine Patientenverfügung oder was auch immer. In einigen Ländern ist es ja so, dass man auf Deutsch sagt, dass jeder, der ablebt, sein Organ entnehmen darf.
Bei uns in der Schweiz ist es noch nicht so. Das ist blöd. Man hat ja mal darüber abgestimmt.
Marco
Und jetzt hast du ja die Patientenverfügung erwähnt. Es gibt Leute, die in der Verfügung schreiben, dass man das nehmen darf.
Christian
Dann ist es logisch. Dann gibt es halt solche, die sagen, das darf man nicht. Die Knallhärten sagen sogar, man darf nicht einmal fremdes Blut annehmen.
Du musst vorher sterben, weil dein Liebgott das will. Du musst deinem Liebgott folgen und nicht der Medizin. Ja, das muss jeder für sich selber ausmachen.
Ich bin auch schlichtweg nicht gegen diese Dinge. Sondern was ich immer sage, ist, man darf sich bewusst sein, wie es hierher gekommen ist. Und wenn es an diesem Punkt ist, was macht das mit mir?
Wenn ich ein Organ von jemandem, der abgelebt ist, entnehme, entnehme ich von dem einen Seelenteil. Und ich entnehme einen Seelenteil, der sehr intim ist und wirklich zu diesem Menschen und dieser Seele gehört. Es gibt ganz viele Leute, die viele Geheimnisse in sich tragen.
Sei es z.B., ist das mein leiblicher Vater? Oder ist es nicht? Und sagen, es sei nie gesagt worden, dass man ein Kind von einem nicht leiblichen Vater ist.
Es ist einfach der moralische Aspekt gegenüber dieser Seele. Für mich, ich arbeite mit der Seele, kommuniziere mit der Seele, kommuniziere mit den Menschen, mit denen oben, die mir helfen, dass mir das überhaupt möglich wird. Und hier drin sind wie gesagt die Seelenteile dieses Lebens, das wir an einen anderen Menschen einpflanzen.
Marco
Das ist tatsächlich ein heikler Punkt. Und etwas, wo ich gestaunt habe, ich habe das nicht gewusst, ich habe das mit Google gefunden, tatsächlich machen sehr viele transplantierte Menschen eine Art Wesensveränderung mit. Sie sind nicht mehr der gleiche Mensch, wie sie zuvor waren.
Eigentlich sagt die Wissenschaft sehr deutlich, der Sitz des Wesens und der Seele des Menschen ist im Hirn und nicht in den Organen. Es gibt aber genügend sauber dokumentierte Fälle, die klar sagen, dass sich die Menschen mit einem fremden Organ verändern. Die These, die du jetzt sagst, das ist alles in den Organen drin, die ist untermauert.
Es kommt etwas vom anderen Menschen mit.
Christian
Ich bin neben jemandem gesessen, der einen banalen Anlass hat. Ich habe ein neues Herz bekommen. Wie er das tut und das hämmert, das ist ja wie verrückt.
Das ist von einem, der 20 oder 30 Jahre jünger war, sehr voller Lebensfreude und Lebensmut. Das macht wirklich verrückte Dinge mit ihm, dass er eigentlich fast nicht mitkommt als älterer Körper mit einem jüngeren Organ. Und irgendwie sagt er, das ist trotzdem meins.
Das ist nicht immer einfach. Das ist eines. Und das andere ist, dass die Seelenteile sich schlussendlich mit der Seele des Menschen verschmelzen.
Das ist schon klar, aber es ist ein neuer Teil. Es ist ein seelisches Erleben, das man einem anderen Körper gibt, das dann übergeben wird. Wie wenn du einem Autoschlüssel von einem Occasionsauto übergibst.
Gibst du auch die Geschichte des Autos mit. Wenn es einen Unfall hatte, wenn es eine Beule hatte, wenn es das hatte. Und beim Menschen ist es doch genau dasselbe.
Dieser Teil kann den Menschen schlussendlich verändern. Es verändert ihn schlichtweg. Ich habe schon von Fällen gehört, dass jemand nach einer Herztransplantation Englisch konnte, und er konnte es vorher nicht.
Marco
Okay, das ist jetzt sehr extrem. Das glaube ich sofort. Ich habe auch ein paar Dinge gelesen, die es um Essensvorlieben und Musikvorlieben gingen.
Wo Leute nach einer Transplantation von einem relativ kleinen Organ, aber vor allem beim Herz, einfach wirklich andere Dinge gegessen haben, als vorher noch. Wo man doch sagen muss, das ist erstaunlich.
Christian
Ja, es gab auch mal einen Fall, wo jemand ein Herz bekommen hat, das auf einmal träumen begann, und immer das Gesicht einer Person gesehen hat. Er erzählte das seinem Arzt oder Psychologe. Und er konnte die Person ganz genau beschreiben.
Und von dem Beschreiben der Person, die er geträumt hat, die in seiner Seele abgespeichert war, konnte man den Täter ausfindig machen, der den Organspender umgebracht hat weil das Bild eben dann vorhanden war. Also es ist wirklich nicht einfach umsonst. Und es ist nicht nur einfach esoterisch, es gibt Quatsch oder was auch immer.
Ich bin wirklich, auch wenn ich ein Optimist bin, ich bin auch ein absoluter Realist, wenn es um solche Dinge geht, wo ich das wirklich sachlich anschaue und sage, ja, das ist so, und das dürfen wir auch akzeptieren. Und vom sachlichen Standpunkt kann ich das auch in dem Sinn akzeptieren, dass das auch gemacht wird. Aber von meinem seelischen Standpunkt aus, wie ich mit dem Menschen arbeite, wie der Mensch ist, wie ich den Menschen spüre, ist es manchmal einfach ein Fragezeichen.
Marco
Hast du Klientinnen und Klienten mit transplantierten Organen?
Christian
Ja, habe ich. Ich habe einen Klienten, der eine Lunge transportiert hat. Er hat sehr stark, wie nennt man das? Fibrose, CFS
Er hatte einen CFS, und das war sehr, sehr stark, und er konnte wirklich gar nichts mehr machen. Und dort stand er einfach im Raum, was macht man da, er war irgendwie um die 60 Jahre alt. Und dort hat man dann eine Lunge transplantiert.
Das war alles zusammen war tiptop, völlig normal, etwa scheinbar, ich weiss jetzt nicht mehr, zwei Jahre oder wie lange, egal welcher Zeitraum, es war einfach alles gut. Und auf einmal hat er von einem Tag auf den anderen den Aussetzer gehabt und ist einfach wie, wie soll ich sagen, apathisch geworden und hat angefangen zu fantasieren, hat angefangen Dinge zu erzählen, die es gar nicht gibt, hat Dinge von früher erzählt, dann hat er Dinge erzählt, Mägi hat auch gesagt wo sie mit ihm geredet hat, bevor ich in den Raum gekommen bin, hat sie gesagt, er erzählt mir Dinge, aber du weisst jetzt nicht, stimmt das, oder fantasiert er, oder was auch immer. Und das ist aber erst nach einer bestimmten Zeit gekommen.
Ich kann jetzt auch nicht genau sagen, ist das, weil der Seelenteil, den er von dieser Lunge bekommen hat, wo es ja wirklich sehr viel übernommen wird, eine Lunge ist gross und all die Argumente und alle ganzen Geschichten, was überhaupt von der Funktion einer Lunge da ist, das ist nicht einfach umsonst, das ist sehr viel Tiefes und das ist auch der Grund, warum du eine Lunge vor 20 Jahren nicht transplantieren konntest.
Man hat es wohl gemacht, aber die Lebenserwartungen waren noch etwa 2 Jahre. Mehr nicht. Und heute, scheinbar denke ich, dass man da irgendwie auf 20 Jahre oben ist.
Aber was man auch nicht unterschätzen darf, und ich bin jetzt auch nicht sicher bei dieser Person, das ist für mich irgendwie komisch, ich kann es nicht so fassen, ist es, weil er 20 Medikamente am Tag nehmen muss, ist es Nebenwirkungen, die jetzt einfach zum Tragen gekommen sind, von den Medikamenten, dass er wirklich einfach verblödet ist, oder ist es, und das ist vielleicht auch noch ein Aspekt, war die Lunge von jemandem, der vielleicht eh nur noch diese Zeit gelebt hätte und funktionsfähig war, ist es, weil der Seelenteil in dieser Lunge drin ist. Das kann ich nicht sagen. Das weiss ich nicht.
Marco
. Gut, weil man nicht weiss, wem diese Lunge gehört hat. Aber was es letztlich aussieht, auch jetzt als möglicher Empfänger, muss man sich wohl schon gut überlegen, wollte ich das, weil was so oder so klar ist, dass du schon wegen den wahnsinnig vielen Medikamenten, die er für den Rest seines Lebens nehmen musst, das Leben nachher ist nicht mehr so wie vorher.
Christian
Es ist ganz bestimmt nicht mehr so.
Marco
Aber wir leben noch, um das geht es.
Christian
Ja, wir leben noch und es ist okay. Die ganze Thematik, ob wir ein Leben verlängern dürfen oder nicht, vor 100 Jahren von drei Generationen, von vier Generationen, wo die Schulmedizin noch nicht so war, durften oder mussten die Leute sterben. Heute ist das kein Müssen mehr, manchmal auch kein Dürfen mehr.
Ja, aber wie gesagt, durch das darf es sicher bei dieser Person auch eine Chance sein, dass ich mit einer neuen Einstellung, einer neuen anderen Lebenseinstellung oder eben auch mit der Vorliebe, der, der klassische Musik hört, ist nicht der, der Ländler hört. Ist klar, das ist nicht der gleiche Mensch, ist nicht der gleiche Typ. Vielleicht kann er von dem etwas überschwanken und dem etwas mit auf den Weg geben.
Dann hat es sicher seinen positiven Aspekt. Aber dann darf man wirklich auch dahinter gehen und sagen, wieso bin ich überhaupt so weit gekommen. Und spätestens dann wirklich versuchen, sein Leben wirklich anders zu gestalten.
Marco
Du meinst aber jetzt mit dem neuen Organ?
Christian
Mit dem neuen Organ halt einfach das als Chance mit auf den Weg nehmen zu dürfen. Aber generell, logisch, sage ich auch, es verbirgt viel mehr als einfach wie bei einem Auto, wo man den Anlasser wechselt und irgendwie einen Austauschanlasser hineintut. Und dann läuft er und dickert er wieder so wie es sein muss.
Ein Mensch ist kein Auto. Und das ist ja das, was auch die Schulmedizin darf einsehen. Und das ist ja das, was die Schulmedizin irgendwie im Hinterkopf haben sollte.
Ein Mensch darf sich entwickeln, ohne dass man einfach irgendwie eine Symptombekämpfung macht, sondern dass man wirklich ein Problem löst, dass es vielleicht einmal nicht so weit kommt, wie es dann halt eben da ist. Das ist eine Zeit, wenn bei uns in der Schweiz das Pflicht wird, dass man eine Karte auf sich tragen muss, dass man erlaubt, dass die Organe genommen werden, dann wird sich sicher vieles verändern. Die ganze Organssuche ist sicher dann nicht mehr so schwierig.
Aber das heisst auch, wir werden ganz bestimmt auch wieder höhere Gesundheitskosten haben?
Marco
Das ist eine ganz andere Frage. Auch das ist im weitesten Sinne eine moralisch-ethische Frage, wie viel die Gesellschaft bereit ist, auszugeben. Das wird dann teurer werden.
Die Zahlen sind ja wahnsinnig hoch. Transplantationen kosten unglaubliche Mengen. Millionen und Abermillionen.
Zusätzliche. Das führt dann zur Frage, die einige aus religiösen Gründen aufbringen, andere aus allgemeinen ethischen Gründen. Darf man alles machen, nur weil man es kann?
Wir zwei haben es wahrscheinlich gar nicht beantwortet.
Christian
Man kann es in dem Sinne nicht beantworten. Man kann es auch nicht beantworten, wo es auch immer wieder im Raum steht, mit der Forschung, mit den neuen Medikamenten, die eh immer hundertmal teurer sind als früher. Früher war es viel billiger, aber sie Neuen sind erforscht und die Forschung kostet halt viel.
Es ist immer wieder die Frage, was ein Menschenleben kosten darf. Was darf für einen Aufwand betrieben werden? Die Frage darf man sich stellen.
Was darf es kosten? Was für ein Aufwand? Manchmal wird auch gesagt, das hat mit dem Kommerziellen nichts mehr zu tun.
Das, was die Schulmedizin will, dass möglichst viel gelöst werden kann, aber der Aufwand ist nicht da. Es ist auch ein Business. Sie müssen ihren Fallzahlen gerecht werden.
Sie müssen ihren Kostengutsprachen gerecht werden. Ich glaube, das ist ein anderes Thema, das man auf den schönen Holztisch bringen darf. Aber eines, das ich hier noch erzählen möchte, ist, ich hatte einen Klienten wo ich Selbstständig wurde mit 23ig, er arbeitete immer wie verrückt, hat sich völlig vergessen.
Er hat sich selber immer eingeengt, weil er einfach gearbeitet hat. Er hat sich Vorwürfe gemacht. Das und das und irgendwo sind immer wieder die moralischen Geschichten, wo er sich ein Gewissen gemacht hat.
Und er hat trotzdem weitergearbeitet. Er hat das immer wieder durchgezogen, und sich vergessen. Und nach ich das damalige Business abgegeben habe, respektive aufgelöst habe, und als Therapeut arbeite, ist er bei mir vorbei gekommen, er war auch da, einer meiner erster Klienten
in meiner Praxis, damals in Rapperswil. Und da kommt er und sagt, meine Lunge ist kaputt. Und sie wollen mir unbedingt die Lunge transplantieren.
Da sagt er, weisst du, da bin ich im Spital in Zürich. Ich sage jetzt nicht welches, ich will ja niemanden aufdecken. Aber dann wollten sie unbedingt, dass ich das mache.
Und dann hat er gefragt, wie lange habe ich dann noch zu leben? Dann haben sie gesagt, im Moment zwei Jahre. Dann antwortete er, dann muss ich es nicht machen.
Dann sagten die Ärzte, dann haben sie doch wenigstens noch zwei Jahre geschenkt in ihrem Leben. Eben, was das für ein Menschenleben kosten darf. Und dann sagt er, ich mache es nicht.
Okay, dann bin ich aufgestanden. Die Ärzte, die ihn überzeugen wollten, gingen dann ein anderes Zimmer neben an und haben ihrem Professor erzählt, der Patient wolle es nicht machen.
Und als er hinaus gelaufen ist, waren die Türen offen, wo sie miteinander diskutiert haben. Er blieb stehen und hat zugehört. Der Herr Professor sagte, wir müssen schliesslich auch Geld verdienen.
Wir können nicht einfach auf 200'000 Franken verzichten.
Marco
Ich spiele es mit, wirtschaftliche Interessen. Das ist ein Teil der ganzen Geschichte.
Christian
Der Patient ist dann davongelaufen und sagte, das kann es doch nicht sein. Das kann es nicht sein mit mir. Nach diesem Vorfall, ist er dann als Dickkopf und Macher, zu mir gekommen und hat gefragt, Christian, kannst du mir vielleicht helfen?
Er hat zusätzlich von mir gehört und ist dann gekommen. Ich kann nicht sagen, was du in deinem Leben ändern darfst. Aber du darfst und musst etwas ändern.
Du kannst nicht einfach von Morgen bis Abend wie ein Idiot arbeiten und das Gefühl haben, es kommt dann schon gut. Du musst wirklich etwas dafür tun. Er hat sich schon mehr geschaut, hat auch weniger gearbeitet.
Irgendwann war er dann auch pensioniert und seinem Sohn das Geschäft übergeben. Aber diese Person durfte nachher noch 20 Jahre leben.
Marco
Ohne transportierte Lungen.
Christian
Ohne transportierte Lungen, weil das einfach angegangen ist. Diese vielen Schäden, diese Lungenblasen, die einfach kaputt waren. Konnten meine Hände auch nichts mehr machen.
Die waren auf Deutsch gesagt am Arsch. Aber seine Lebenseinstellung und mit den Ressourcen, die er mit seiner Lunge noch hatte, konnte er wirklich etwas machen. Dadurch hat er sich selber und auch mein dazutun, 20 Jahre werden aus den 2 Jahren die möglich waren mit einer neuen Lunge.
Marco
Also im konkreten Fall wohl eine bessere Lösung, als wenn er transplantiert hätte. Ich denke schon, ja. Und er hätte so weiterleben können.
Plus minus, er hätte etwas ändern müssen. Aber so leben mit dem, was er war. Ja.
Das heisst, es ist ein schwieriges Thema. Was könnte man mitnehmen, wenn jemand mit so einem Fall konfrontiert ist? Genügend nachdenken.
Christian
Er lässt sich einfach Gedanken machen. Wenn die Situation so ist, dann ist sie so, Punkt. Aber was mache ich jetzt mit?
Nicht die Trübsal blasen, nicht das Gefühl haben, ich sei die ärmste Sau auf der ganzen Welt. Nein, das bringt nichts, sondern was ändere ich? Was ändere ich, was meine Mutter, mein Vater, mein Urgrossvater oder was auch immer nicht ändern konnten, was kann ich tun?
Das ist das Wichtigste. Und da dürfen wir ansetzen. Denken ist die schwierigste Arbeit.
Darum ist es vielleicht auch der Grund, dass ich so wenig tun. Ja. Ich glaube, in diesem Sinne, schöne Zeit und bis zum nächsten Mal.
Schaut euch an. Und macht lieber mal mehr Motzen und Ausrufen. Und aus der Haut fahren.
Und vielleicht mal über den eigenen Schatten springen. Der Gesundheit schadet nicht. Schönen Tag noch.







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