Folge-53 Generation Z
- frautschi
- 16. Apr.
- 19 Min. Lesezeit

Marco
Wir reden hier schon seit ein paar Wochen immer wieder über die verschiedenen Generationen. Heute reden wir über Generation Z, Generation Z oder amerikanisch Generation Z.
Christian Frautschi und die Wirbelsäulenseele.
Und Christian Frautschi, Professor des Lebens, Therapeut, Autor, Lebemensch.
Christian
Und Marco Caduff, die fragende Stimme.
Marco
Ja, die Generation Z, das sind die, die geboren sind zwischen 1997 und 2012, so ungefähr. Das ist die grösste Generationengruppe, die machen ungefähr zweieinhalb Milliarden aus. Das sind die heutigen, jungen Leute.
Christian, kann man die pauschal charakterisieren? Kann man sagen, das, so sind die, das ist die Generation Z?
Christian
Ja, es kommt natürlich darauf an, wer das die charakterisiert. Unsere Generation sagt, sie haben keine Arbeitswillen, sind faul, sind unzuverlässig und weiss nicht was. Das sagt unsere Generation, weil sie die teilweise nicht verstehen.
Aber wenn du die Jüngeren fragst, wenn du die Generation Y fragst, zum Beispiel, dann wissen die, dass sie eigentlich gleich sind wie sie.
Marco
Also sie sind näher bei ihnen dran?
Christian
Sie sind näher bei ihnen dran, weil sie leben bereits 100% in der digitalen Welt. Sie haben die analoge Welt in diesem Sinne gar noch nie gesehen oder kennen sie nicht in diesem Sinne. Und gegenüber Generation Y zum Beispiel, dann ist es einfach wie so ein bisschen noch verstärkter.
Ganz viele Sachen sind bei Generation Y noch ähnlich, aber bei den Jüngeren hat es einfach teilweise noch ein bisschen ausgeprägt.
Marco
Okay, das kann man wahrscheinlich wirklich so sagen, wenn man so ein paar Wörter anschaut, die gesagt werden in Bezug auf die beiden Generationen, dann sind sie tatsächlich näher beieinander. Die Unterschiede sind nicht riesig.
Christian
Was sich noch verstärkt hat, ich sage jetzt, wir können eigentlich Y näher und es ist einfach noch verstärkter. Konzentrationsschwierigkeiten. Sie sind extrem schnell abgelenkt.
Irgendwo sehr schnell ist ihnen etwas zu langweilig. Körperlich manchmal. Was hier auch schon etwas kommt, ist so ein bisschen der Eisenmangel zum Beispiel.
Ich schaue jetzt die Sachen an, die sich die Jungen in diesen Jahren bei uns angemeldet haben. Was sehr zugenommen hat, gegenüber den Vorgenerationen, sich länger sind mehr herauskristallisiert hat, das sind natürlich die psychischen Krankheiten.
Marco
Du meinst noch mehr als bei der Generation Y?
Christian
Noch mehr, ja, noch mehr. Das hat aber auch damit zu tun, ich meine, nehmen wir das ADHS. Unsere Generation hat von dem nicht gesprochen, weil sie es nicht kannte.
Die Generation heute hat diese Information schon lange. Sie wissen, dass es das gibt. Und wenn sie zum Beispiel in der Schule, wenn sie im Studium oder wo auch immer, Konzentrationsschwierigkeiten haben, sagen sie sich, ja du, ich bin hier in Gedanken flatterhaft, kann mich nicht konzentrieren und und und.
Und das weiss ich doch, da gibt es da irgendwie etwas wie, da hat es ein paar von uns in der Klasse, die Ritalin haben. Für was braucht man das? Aha, da kann man sich besser konzentrieren nachher.
Man ist fokussierter. Und ja, dann klären wir das mal ab. Und wenn du zum Beispiel mit einem Psychologen redest, oder Psychiater redest, der diese Jungen hat, oder zum Beispiel diese Abklärungen macht, für diese Kinder, dann sagen die, weisst du was, die Jugendlichen, die zu mir kommen, und die wollen eigentlich eine ADHS-Diagnose, die sind bestens orientiert, wo sie das Problem haben.
Weil sie können alles via Internet, via KI heute, können sie ihre Symptome, ihre Krankheitsbilder oder was auch immer, ganz klar abschätzen. Sie wissen eigentlich ganz genau, was sie haben. Und dann gehen sie hin, und sie wollen das noch von einem Psychiater, oder von einem Psychologen bestätigen.
Dass man dementsprechend dann Massnahmen ergreifen kann, um dem zu entgegenwirken. Wir werden dann noch in einer anderen Folge das Thema ADHS thematisieren, weil sich das wirklich extrem geändert hat, in den letzten 10, 15, 20 Jahren. Aber wir sollten sagen, das Problem ist einfach, sie können sich nicht mehr fixieren, weil sie einfach schlichtweg zu viel im Kopf haben.
Sie haben zu viel im Kopf, durch die Ablenkung, durch das Internet, mit dem iPhone heute, du hast die ganze Welt in den Händen, du weisst, was wo läuft, du weisst, was du wo abfragen kannst. Wir mussten unter schwersten Bedingungen schauen, wo ich welche Informationen im Internet bekomme.
Marco
Wenn überhaupt schon, wir ohne Internet.
Christian
Bei uns hat es noch Lexikon.
Marco
Brockhaus zum Beispiel.
Christian
Oder Wikipedia. Wie lange gibt es das schon? Ungefähr wahrscheinlich.
Der Vorgänger des KI. Da konnte man fragen, die Jungen heute wissen alles, sie wissen, wie sie fragen müssen, sie können im Schulunterricht ihr Handy versteckt haben, sie können auf KI eine Frage stellen und können die Antwort 1 zu 1 nachher bei den Prüfungen übertragen. Das kennst du ja als Lehrer.
Marco
Wenn sie schlau sind, machen sie das gut.
Christian
Ja, das ist alles möglich, aber das stresst auch. Wir haben wohl hier oben ein Hirn, aber irgendwo ist das Hirn nicht auf all das konzipiert, wie es heute funktionieren müsste. Wir wissen, dass ein iPhone und ein Handy einfach generell zu uns gehört.
Wenn ich hier raussehe und schaue, was hier am See vorbeiläuft, die Mutter läuft mit dem Handy und das kleine Kind sieht die Mutter mit dem Handy. Das ist etwas völlig Normales, dass das im Leben präsent ist. Der schönste Zürcher See hat die schönste Aussicht und alles.
Sie schaut aufs Handy, kann sich nicht mehr mit der Natur ablenken und das lebt sie dem Kind vor. Bei der Generation Z wurde das natürlich bereits vorgelebt. Ihre Eltern und Grosseltern waren bereits am Handy, weil das alles präsent war.
Das ist völlig normal, aber es fehlt hier die Ablenkung, wie in anderen Generationen auch, aber hier noch viel extremer. In dieser normalen, analogen Welt, die um uns herum herrscht, wenn das Internet und das Handy abgestellt sind, findet man den Zugang nicht mehr.
Marco
D.h., sie müssten lernen, auf die analoge Welt zuzugehen?
Christian
Ja, sie müssten viel lernen und wieder irgendwo Pfadfinder werden. Abenteurer werden z.B. oder halt einfach Cowboy. Respektive Eltern haben das teilweise auch schon nicht mehr gemacht, dass man im Wald raus ist, spazieren gehen oder was auch immer.
Da muss man halt Grosseltern nehmen und die machen das vielleicht und dann können sie das zeigen. Wir mussten am Sonntag, für uns war es ein Müssen, heute darf ich sagen, es war ein Privileg, wir durften spazieren gehen und irgendwie hat der Vater mit seinem Sackkegel, mit dem militärischen Sackkneif, so einen Ast abgeschnitten und da konnten wir einen Zugpfeifen draus machen. Das hast du dann alles gemacht und wenn du am Sonntagabend hast du das mit dabei gehabt und das war ein Erlebnis.
In der heutigen Zeit hast du hunderte, tausende Erlebnisse an einem Tag. Man sagt ja, die sind irgendwie vier, fünf, sechs Stunden am Handy. Dann hast du so viele Eindrücke, so viele Erlebnisse und welches Hirn mag das verarbeiten?
Marco
Also offenbar ein paar von denen nicht so gut. Auf der anderen Seite machen sie auch wieder ein paar Sachen nicht so schlecht oder auf eine positive Art mindestens anders als frühere Generationen. Wir haben das ja schon bei der Generation Y gesagt, das waren die ersten, die den Begriff Work-Life-Balance aufgebracht haben.
Die Generation Z geht dort noch weiter, das ist für sie noch wichtiger und vielleicht auch der Grund, ältere Leute sagen oft, sie seien faul, die wollen sich nicht mehr total aufopfern beim Arbeiten, was ein Stück weit in Ordnung ist und seine Berechtigung hat.
Christian
Ja, ich habe dann auch wiederum Blicht gelesen im Vorfeld, wo ich mich selber informiert habe, was das Internet überhaupt sagt, dass eigentlich arbeitsmässig, leistungsmässig die Jungen heute leisten, dass das mehr ist, als wir geleistet haben. Das hat aber auch damit zu tun, dass früher haben wir 5 Tage gearbeitet, die wollen 4 Tage arbeiten, aber der Chef sagt, du kannst 4 Tage arbeiten, aber die Arbeit ist genau der gleiche. Das ist sicher so, dass sie heute in 4 Tagen gleich viel leisten, wie wir früher in 5 Tagen.
Marco
Also sind sie effizienter?
Christian
Das Internet hat gesagt, sie seien effizienter. Das denke ich auch, wenn sie konzentriert an der Arbeit sind. Und es ist einfach auch hier, man hat heute gesagt, es sind faule Jungen.
Sorry, dann irgendwo müssen wir vielleicht einmal sagen, aber wenn du so redest über diese Generation, dann hast du mit denen überhaupt diskutiert, wie sie in diesem Betrieb arbeiten möchten, wie sie ihre Hierarchie haben möchten, wie sie sich ablenken können, über den Mittag oder am Abend, wenn sie fertig arbeiten, was bietet mir der Betrieb, oder wie geht man überhaupt auf uns zu? Wie haben sie das Gefühl, dass wir denken? Sie poltern und sagen, das ist nicht gut, und dann sind die Polizisten abgewinkt und die sind eh nur am Handy.
Ja, das stimmt ja teilweise schon.
Marco
Das ist aber auf der anderen Seite etwas, was grundsätzlich da ist. So Geschichten hat man ja vor 40 Jahren, als wir jung waren, von den damals Alten gehört, dass immer ein paar Alte die Jungen irgendwie nicht gut finden. Aber auch nur immer ein paar, das sind sicher nicht alle.
Christian
Dann kommt etwas ganz Wichtiges, was in diesen Generationen ist. Wir mussten wissen, uns aneignen mit Lehren. Das heisst, man ging studieren und hat dort etwas gelernt.
Man ist in einem Betrieb und dort wurde das gelehrt, was auf den Betrieben zutrifft. Was das mit dem Material ist, was das da ist und was das da ist. Die Jungen fragen sich, warum muss ich das alles lernen, wenn ich weiss, wo ich das nachschauen kann.
Marco
Das kommt jetzt vielleicht etwas auf die Branche an. Du hast ja in einer der früheren Folgen von deiner Automechanikerlehre erzählt. Ich glaube, wenn man vor einem Automotor sitzt, kann man nicht bei jedem Teil nachschauen, was ist das, was man braucht.
Es gibt schon Dinge, die man immer noch wissen muss.
Christian
Das ist so. Meine Berufslehre als Automechaniker, die ich gemacht habe, war wirklich auf das Auto bezogen, auf das Material bezogen. Du hast dort gehört, wenn du das gelernt hattest und mit Leib und Seele Mechaniker warst.
Du hast gehört, wenn das Auto unrund läuft, wenn es irgendein Geräusch hat, wenn es nur auf 5 Zylinder läuft anstatt auf 6 Zylinder. Das Wissen und all das Ganze, wie du das austesten kannst, das ist heute nicht mehr gleich. Heute hängst du einen Diagnosentester an und der sagt dir, was mit dem Auto los ist.
Wobei mit dem heutigen Elektroauto, wo man schon lange mehr gehört hat, dass manchmal das Auto völlig nicht mehr geht, nicht mehr funktioniert. Das weiss niemand, warum. Weil irgendwo der Computer in dem Auto irgendein Schrauben oder Lötstel oder was auch immer locker hat.
Man weiss es einfach nicht. Man kann nur anfangen, Teile um Teile zu ersetzen. Irgendwo hat man das Glück, dass man das richtige Teil ersetzt hat.
Wenn ein Blinker nicht mehr funktioniert und ein Massenkabel nicht richtig auf die Chassis übergegangen ist, dann hat man das abgeschabt und geflickt und es ist wieder gegangen. In der heutigen Zeit mit dem heutigen Auto, mit dem Blinker geht es nicht mehr gut, Strom hat man ein bisschen, also setzt man den ganzen Kabelstrang mehr und hofft dann, dass es gut ist. Dann setzt man den Kabelstrang mehr und dann geht der Kofferraum nicht mehr auf oder was auch immer.
Das ist die Thematik der heutigen Zeit mit den Autos. Das hat als Automechaniker zu der Zeit, wie ich es gelernt habe, nicht mehr viel zu tun. Darum hat sich das Ganze verändert.
Veränderung tut manchmal gut, aber es ist nicht immer einfach, sich daran anzupassen. Das gibt es auf jeder Branche. Du hast auch gesagt, ein News-Journalist hätte früher eine gute Arbeit leisten müssen.
Wissen, was er schreiben muss, was er vor dem Journal lesen muss oder erfahren, dass er einen guten Bericht schreiben kann. Heute kannst du dementsprechend deine Fragen auf dem Computer einstellen.
Marco
Trotzdem muss er beurteilen können, ob das stimmt. Irgendeinen Hintergrund braucht er. Ist das jetzt möglich, was ich gerade lese?
Oder ist es einfach unwahrscheinlich?
Christian
Was ich sehr krass finde, ist, dass die Jungen heute orientierungslos sind. Zu unserer Zeit wusste ich genau, dass ich Automechaniker werden will. Ich wusste genau, was ich machen will.
Ich wusste genau, wann meine Lehre fertig ist. Dann würde ich das und das machen. Ich würde das und das machen.
Ich wollte nicht stehen bleiben. Das Problem bei den Jungen ist einfach nicht dasselbe. Es ist nicht mehr die Motivation, einen bestimmten Beruf zu lernen.
Dann geht man einfach mal studieren. Man fährt in diesem Fach an. Das ist auch nicht interessant.
Dann studiert man vielleicht hier. Dann fährt man hier wieder an. Das passt man auch nicht.
Dann macht man wieder etwas anderes. Irgendwo ist man dann 8-9 Jahre am Studieren. Man hat dann irgendwo mal einen Abschluss.
Dann geht man in die Arbeitswelt. Dann merkt man, die Jobs sind gar nicht mehr da.
Marco
Das kann passieren.
Christian
Ich hatte eine krasse Zusammenkunft mit meinen Babyboomern, die jetzt am Baselieren sind. Sie haben ihren Kindern ermöglicht, dass sie studieren können. Sie haben auch teils Grosskinder unterstützt, um zu studieren.
Ich habe ganz viele gehört, die haben hier studiert, die haben hier studiert, die ist sogar in England. Und jetzt? Sie haben keinen Job.
Viele Jobs sind in den letzten 10-20 Jahren verschwunden. Je nach Branche braucht es einfach Leute, die das Handwerkliche kombinieren kann mit der Theorie. Wenn du nur Theorie hattest in den letzten 5-10 Jahren, musst du dich irgendwo aneignen.
Sonst lebst du einfach nur in der Theorie. In der Theorie können ganz viele andere auch leben. Die ganze Theorie wird ja heute durch die Karriere ersetzt.
Marco
Das heisst schon, das ist für diese Generation eine schwierige Zeit. Wie orientiert man sich? Man weiss ja nicht, was die Zukunft beruflich bringt.
Welche Prüfe braucht es in Zukunft noch? Welche braucht es nicht? Nicht einfach, wenn man sich für eine richtige entscheidet.
Christian
Was es ganz sicher braucht, sind solche, die ganz normale Hundekammerprüfe lernen können. Sei es auf dem Bau, als Automechaniker, als Bäcker. Dort, wo es noch Leute braucht, die mit ihren Händen und ihrem Geschick etwas vollbringen müssen.
Dort kann nichts durch die Theorie ersetzt werden. Wir haben vorhin gesagt, wenn doch die Generation Y und die Generation Z so einen riesigen Anteil der Bevölkerung ausmacht, warum haben wir dann Arbeitskraftmangel? Warum?
Marco
Es sind zwei Dinge. Das eine ist eine Rechnungsgeschichte. Jahrgänge wie gerade unsere, die seit zwei, drei Jahren pensioniert werden.
Das sind wahnsinnig viele. Nicht ganz so viele wie die ganze Generation Z, aber das sind viele, die jetzt pensioniert werden. Offenbar können sie im Moment nicht ersetzt werden.
Das ist das eine. Das andere ist schon da. Du hast es als Beruf gesagt, Mauerer, Gärtner, Elektriker, Strassenbauer, was immer pensioniert.
Diese Jobs will im Moment niemand machen. Dort gibt es, höre ich, viele leere Lehrstellen.
Christian
Ja, es gibt viele leere Lehrstellen. Keine Generation, die nachkommt, die das auch gelernt hat. Da gibt es aber auch das andere, was ich sagen muss.
Auf dem Zürichsee haben wir ja die Zürichsee-Fähre von Meilenhof-Holgenmeilen. Letztes Jahr haben sie ein Bezahlsystem eingeführt, wo man sich nur noch von der Homepage anmelden kann und das Billett dort lösen kann. Sie hatten dann das Gefühl, das machen ja ganz viele, das funktioniert dann schon.
Dann haben sie aber festgestellt, dass sie einen enormen Rückgang hatten. Weil sich einfach viele nicht hingeben wollten. Ich habe ganz viele Klienten, die mit der Fähre aus der Innerschweiz kommen, die sagen, sie gehen nicht mehr über die Fähre.
Marco
Das ist mir zu blöd. Hätten wir dann gar nichts anderes bezahlen können?
Christian
Sie haben sich falsch kommuniziert. Man kann nach wie vor, aber es wurde nicht so kommuniziert. Das war das Problem.
Wir haben einfach gesagt, wir haben einen Fachkräftemangel, wir müssen auf Elektronik umsetzen. Aber jetzt kommen wir auf das Thema Fachkräftemangel. Bei jemandem, der auf einer Zürichsee-Fähre arbeitet, wo eigentlich jeder arbeiten kann, dann erzählen die von Fachkräftemangel.
Du kannst jeden herstellen, jeder kann ...
Marco
Er muss rechnen, er muss vielleicht Wechselgeld ausgeben.
Christian
Ja, aber mehr muss er nicht.
Marco
Freundlich sein, im besten Fall.
Christian
Was macht dann der Fährebetrieb falsch, dass er z.B. nicht solche Jungen bekommt? Dann ist irgendwo etwas faul, dass das nicht entspricht, dass das den Jungen nicht entspricht.
Marco
Das mag sein, das geht vielleicht in das Sinne, was wir schon gesagt haben, mit den ganzen Bau- oder Gärtner- oder Mauerprüfungen. Die sind verrissen bei jedem Wetter, auch auf der Fähre. Das finden vielleicht viele Junge einfach unattraktiv.
Dummerweise, wenn es regnet, muss man auf der Fähre trotzdem da sein und das Geld einkassieren. Das wollen vielleicht ein paar einfach nicht.
Christian
Ja, aber das ist vielleicht eine Zeit, in der sie schnell draussen sind, dann können sie wieder in die Kabine. Sie haben sensationelle Kleider, sie haben alles dazu.
Marco
Aber das muss man mögen, das ist vielleicht der Punkt. Ich glaube, es gibt sicher Leute, die genau das mögen.
Christian
Ja, sicher. Dann ist das andere, was man in vielen Betrieben hört, was machen die, dass man diese Jungen versteht, dass man mit ihnen in der Arbeitswelt über drei Generationen, teilweise sogar vier, wenn man den Baby-Boomer auch noch hat, dann sind wir in vier Generationen, dass sie miteinander zusammenkommen und arbeiten können. Was muss ich ihnen bieten?
Und dann darf man sich wirklich bemühen, um das eben dementsprechend in die Wege zu leiten.
Marco
Und das muss natürlich die Firma machen als Ganzes. Sie muss eine Kultur aufbauen, in der der Dialog stattfindet.
Christian
Ja, dann nützt es nichts, wie wir vorhin schon einmal gesagt haben, in den letzten Podcasts mit Y, es nützt nichts, wenn man einfach so Leute, die diese Generation versteht, schnell in den Betrieb holt, aufklärt und sagt, ja, weisst du, die ticken so und so, und die funktionieren so und so, und jetzt sagt der Chef, ja gut, ich habe meine Leute orientiert, aber der Chef muss schlussendlich sagen, wie gehe ich mit diesen Leuten um?
Marco
Das stimmt, und jetzt hast du natürlich das Wort Chef gebraucht, und wahrscheinlich hängt ganz viel am Chef. Und entweder ist er, egal wie gross die Firma ist, es kommt darauf an, wenn er der Inhaber ist, ist es eben der Inhaber, und in einer Riesenfirma muss es vielleicht ein untergeordneter Chef sein, der das einfach in seinem Rahmen macht.
Christian
Ja, es muss einfach passen. Ich nehme ein Beispiel. Ich bin dran, mein letztes Buch, das schon lange geschrieben wurde, rauszugeben.
Ich habe das in meinem Verlag nicht rausgegeben, weil der Aufwand für mich, neben der Arbeit, die ich hier in der Praxis habe, die mich ja sehr beansprucht, ich meine, ich arbeite mit 150-200 Leuten in der Woche, ich kann mich nicht einem Verlag in diesem Sinne noch so führen und so aufbauen, wie das heute zeitgemäss ist. Und dann musst du halt einfach Zeit und Geduld haben, dass du deinen Verlag findest, der dementsprechend in der heutigen Zeit auch das macht, was gefragt ist. Und ich bin dann auf langem Umweg auf einen Verlag gekommen, der die Leute schult, der die Autoren begleitet, die schulen, der aber auch zum Beispiel Influencer, Buch-Influencer, mit einbezieht, dass sie für den Verlag repräsentieren.
Ich habe einen Artikel gelesen, dass ein Verlag in Deutschland, wenn du zahlst, wenn du zum Beispiel 20'000 bis 25'000 Euro zahlst, wenn du ein Buch rausbringen willst, dass sie dir das in die Spiegel-Bestseller-Liste bringen. Wie bringen sie das, indem sie Influencer und Buchvermarkter Geld geben?
Marco
Und die dann einfach die Verkaufszahlen pushen?
Christian
Und die einfach die Verkaufszahlen pushen.
Marco
Okay, neue Entwicklung auf dem Buchmarkt, aber auch ein Buch ist am Schluss ein kommerzielles Produkt.
Christian
Und die Jungen, die ein Buch schreiben, einen Ratgeber schreiben, oder was auch immer, die wollen begleitet werden. Die können ja nicht das Wissen von einem Verlag haben, um ein Buch rauszudehnen. Selbst ich, seit 2010 glaube ich, habe den Verlag, wo ich das Wissen auch nicht mehr habe, weil ich es einfach zu wenig brauche.
Also muss auch ich da sagen, dann gehe ich zu denen, die an Schuhe sind, und das für mich machen können.
Marco
Wenn wir jetzt zur Generation Z zurück schauen, wo sind die Parallelen? Was können wir daraus sehen?
Christian
Dass man eben wie ein Verlag für einen Autor das bieten muss, das heute zeitgemäss ist. Das in den Social Media vertreten ist, das weiss, wie man etwas in der heutigen Zeit vermarkten muss. Dass man die Kunden auf dem Handy zum Beispiel erreichen kann.
Vor ein paar Jahren wollte kein einziger Hörbücher machen, oder E-Books, das ist wieder auf dem absteigenden Ast. Aber heute haben wir die Erkenntnis, dass wir wieder Hörbücher machen müssen. Das ist das, was die Jungen auf dem Handy hören können.
Was ich in den letzten Wochen gesehen habe, die Tagesanzeiger, gibt jetzt eine Version, die Bändler Zeitschrift von 20 Minuten, die haben sie ja abgekauft, hat nicht mehr landiert. Was sie jetzt machen, sie lesen das Tagesgeschehen in einem Podcast oben runter. Das heisst, dass du uns jeden Tag, ich habe es auf Deutsch gesagt, eine halbe Stunde Zeitung im Ohr hast, und du bist orientiert, was früher in den Printmedien war.
Ja.
Marco
Es läuft wahrscheinlich heute so, es ist ein Zeiterschein.
Christian
Ich habe nichts von den Tagesanzeigern gekannt, die echt Mühe hatten, die sagten, wir wissen nicht mehr, wie wir an die Jungen herkommen können. Als erstes haben sie zusammen angefangen, Podcastkanäle aufzuschalten, wo sie irgendwelche Leute hergeholt haben, die etwas zu sagen hatten, und konnten so etwas kompensieren. Aber da kann man ja keinen Inserat platzieren.
Also bringt dir das nichts. Eine Zeitung ohne Inserat verdient kein Geld.
Marco
Man kann natürlich einen gesprochenen Spot zwischendurch einhängen, wie das Spotify macht. Beim Gratis-Abo kann man das machen, das nehmen die Leute vielleicht in Kauf.
Christian
Ja, man wird es sehen, aber auch dort muss man zeitgemäss hinschauen und das machen. Und genau wie ich die Jungen heute, erst einmal kann ich sie fragen, wie konsumierst du etwas, wie ist das, wie möchtest du arbeiten? Nicht ausrufen und symbolisieren, sondern wie möchtest du arbeiten?
Und welche Möglichkeiten haben wir, dass man so arbeiten kann, dass man dem etwas entgegenwirken kann?
Marco
Es ist ein Anspruch für Firmen, weil sich die Berufsbilder in kurzer Zeit stark geändert haben. Aber gescheite Firmen, die gut beobachten, die haben das auch realisiert, die sind dran.
Christian
Ja, zwangsläufig.
Marco
Da gibt es das Stichwort Employer Branding, dass man sich den Angestellten als Arbeitgeber selber auch anbietet und sagt, wir haben die Vorteile als Arbeitgeber und da muss man sie auch wirklich haben, da muss man etwas tun.
Christian
Ja, wir kommen wieder genau dorthin, was vor 50, 70, 100 Jahren herrscht. Zu der Zeit, in der mein Vater arbeitete, im Jahrgang 1924, zu der Zeit, in der die Betriebe zum Beispiel Leute gesucht haben, eine Schreinerei, wo ein Schreiner, ein Hilfsanschläger oder wer auch immer gesucht hat, musste schauen, dass ich für den in der Umgebung eine Wohnung habe. Der Fachkräftemann gab es früher schon.
Also der Chef, den mein Vater in der Schreinerei hatte, musste für einen Wohnung suchen, für meinen Vater respektiv, für unsere Familie. Und wenn er diese bot, wusste er, jetzt habe ich diesen Arbeitgeber eine bestimmte Zeit und kann ihn dadurch auch halten. Wir kommen wieder genau dorthin zurück, was muss ich dieser Generation bieten, dass sie zu mir kommen.
Marco
Ja, und ich glaube, die wachen Firmen haben das schon begriffen.
Christian
Ja, sie sind dran, ja. Aber es gibt halt genug KMU, handwerkliche, kleinere Betriebe, wo halt einfach wirklich diese Leute schlussendlich nicht da sind. Wir haben ja gesagt, wir haben wohl eine riesengrosse Arbeitnehmerschicht, die da ist.
Aber wir haben noch ein viel grösseres Manko an Babyboomer, die pensioniert werden, die aus der Arbeitswelt ausscheiden, die diese Arbeit fachgerecht in diesem Sinne machen konnten. Eben ganz normale Prüfe oder einfach normale Arbeiten, die halt einfach ihre Leute dort nicht mehr finden.
Marco
Ich möchte noch ein letztes Stichwort einbringen, Suchtverhalten. Das ist jetzt auch interessant bei der Generation Z. Da gibt es viele Süchtige, aber die sind jetzt weniger süchtig nach Substanzen.
Die sind süchtig nach Internet, nach Handykonsum, nach elektronischem Spiel, also nach Verhalten. Während offenbar ja der Alkoholkonsum zurückgeht und zum Teil deutlich zurückgeht. Das ist jetzt ein interessantes Bild.
Christian
Ja, ich meine, wir, unsere Zeit, wir sind in die Restaurants. Wenn wir ins Restaurant fahren, dann haben wir ein, zwei, drei, vier Bier gesoffen und dann sind wir irgendwo alleine ausgegangen. Das ist nicht mehr.
Das Restaurant ist auf dem Handy, aber ohne Bier. Das heisst, wir brauchen kein Bier mehr oder kein Aperol oder was auch immer mehr. Irgendwann geht man dann da hin und macht ab woher.
Und dadurch ist sicher auch der Alkoholkonsum zurückgegangen. Zudem, wir haben ganz viele Polizisten und Gesetze betreffend Autofahren, dass halt einfach wirklich bei Nachtessen zum Beispiel einfach weniger getrunken wird. Früher hat man halt eine ganze Flasche getrunken zu zweit oder zu dritt.
Heute kann man ein Glas haben, man kann zwei Glas haben und dann hat man es. Und Schnäpschen trinkt man halt dann vielleicht nachher zuhause.
Marco
Okay, das ist ja kein Generation Z-spezifisches Phänomen, sondern das betrifft uns alle.
Christian
Aber die jüngere Generation, vieles davon fällt eben auch weg. Sie haben teilweise halt eben durchs Leben auch so viel gekostet und sie wollen trotzdem weniger arbeiten, haben sie halt einfach auch weniger Geld zur Verfügung. Und sie können sich das halt einfach nicht mehr gleich leisten, wie wir das haben können leisten.
Dementsprechend fallen da halt eben bestimmte Dinge weg. Also es gibt sicher Süchte, aber die sind anders. Und das weiss man auch, das sehe ich auch bei meinen Klienten.
Also bei jungen Burschen, die halt einfach spielsüchtig sind heute. Früher sind sie halt irgendwie zu viel in den Restaurants rumgehängt, in den Balen rumgehängt und heute hängen sie halt eben zu fest zuhause am Computer rum und sind schlichtweg spielsüchtig, die dann eben auch körperlich das Ganze in Gang setzt um Konzentrationsschwierigkeiten, Depressionen und, und, und. Wir hatten noch nie so viele psychisch Kranke, wie das heute ist.
Wir hatten noch nie so viele Junge, die psychisch krank sind, wie wir hatten, weil das Erlebnis mit dem Handy ist nicht mehr das gleiche, was wir früher hatten, wenn wir ein Hobby hatten, wenn wir irgendwo nicht mehr in der Natur waren oder wo immer etwas gemacht haben. Und diese Eindrücke, die fehlen. Es wird nicht mehr kommuniziert, auch die Schüler untereinander, auf dem Pauseplatz hat jeder ein Handy in der Hand, er ist nur auf sich konzentriert.
Wenn er einen Kollegen rufen will, kann er das via Handy machen, insofern Handy überhaupt noch erlaubt sind im Schulbetrieb. Der soziale Aspekt ist teilweise völlig weggefallen. Und wenn der soziale Aspekt von dieser Korrespondenz und den Kollegen und Freunden die Gespräche fehlen, wird man halt einfach täglich depressiv und gehört in sein eigenes Gärtchen zurück.
Und das ist das Problem. Dann können sie sich nicht mehr konzentrieren in der Schule. Es hängt immer wo zusammen.
Dann geht man aber irgendwie in einen Verein, geht turnen, Eishockey spielen, schuten. Darum befürworte ich jeden Sport, der irgendwie gemacht wird. Früher hat man gesagt, dann sind sie nicht auf der Strasse.
Heute muss man sagen, dann sind sie nicht zu Hause auf dem Computer.
Marco
Beides gescheit. Letztes Jahr gab es bei der Generation Y am Schluss ein paar konkrete Ratschläge. Das sind wahrscheinlich sehr ähnliche Ratschläge, die man auch der Generation Z mitnehmen kann.
Christian
Das sind die Ratschläge, die über sämtliche Generationen die Gültigkeit haben. Geht in die Natur, hört den Vögel zu, schaut, dass der Vögel in der Anschweiz vorbeifliegt. Geht am See, schaut einfach in den See.
Je länger ihr in den See schaut, desto mehr seht ihr. Dann seht ihr dieses Tier, dieses Tier. Einfach die Natur wieder wahrnehmen.
Die Ohrhöhle, die Stöpsel rausnehmen. Das Handy auf die Seite legen. Nicht vom Fisch, der zufällig vorbeifließt, schnell ein Foto machen und auf Instagram stellen.
Einfach anschauen und geniessen. Wie bewegt er sich? Wie ist das?
Je nachdem, wenn es Mücken oben hat, springen sie auf und holen die Mücken aus der Luft. Was auch immer. Wieder lernen, die Natur wahrzunehmen.
Wieder lernen, einfach nur spazieren zu gehen. Und über den Mittag, vielleicht einfach schnell einen See runterholen. Und schauen, was da um einen herum passiert.
Einfach wieder in die analoge Welt zurückgehen.
Marco
Und das ist ein Tipp, nicht nur für die von Generation Z, sondern für alle.
Christian
Nicht nur für alle, sondern für alle, viele Extremer. Sie wissen es nicht mehr. Es wurde ihnen nicht mehr vorgelebt.
Uns wurde es vorgelebt. Wir hätten uns am Sonntag vielleicht immer gestunken. Aber wenn wir zurückdenken und ehrlich sind, es hat uns so viel gebracht.
Und wo hast du es sonst?
Marco
Sie müssen es wieder lernen und üben.
Christian
In diesem Sinne, wie gesagt, schaut den Vögeln in den Arsch. Bis zum nächsten Mal.




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