Folge-48 Generation X
- frautschi
- 16. Apr.
- 18 Min. Lesezeit

Marco
Wir haben vor einer Weile über die Generation der Babyboomer gesprochen, also die Leute, die zwischen 1946 und 1964 geboren sind. Heute sprechen wir über die Generation, die nach uns gekommen ist. Das sind die Leute, die zwischen 1965 und 1980 geboren sind.
Wir sprechen über sie als Generation im Ganzen, über diese Typen, über die Klassifizierungen. Aber natürlich schauen wir vor allem auf die gesundheitlichen Aspekte. Was fällt hier auf?
Mit welchen gesundheitlichen Problemen haben die zu tun? Christian Frautschi und die Wirbelsäulenseele. Christian Frautschi, Professor des Lebens, Therapeut, Autor, Lebemensch.
Christian
Und Marco Caduff, die fragende Stimme.
Marco
Christian, bei der Folge über die Babyboomer habe ich dich am Anfang gefragt, was denn die Babyboomer besonders macht, an wie du sie erkennst, mit welchen Problemen sie zu dir kommen. Und du konntest das sofort sehr klar beantworten. Jetzt haben wir gerade, bevor wir mit der Aufnahme begonnen haben, kurz darüber gesprochen.
Und da musstest du einen Moment zögern. Die Generation X wird ja gelegentlich die unsichtbare Generation genannt. Ist die auch für dich nicht so klar und nicht so greifbar wie die Babyboomer?
Christian
Ja, das ist schon ein wenig so. Es hat ja damit zu tun, wie alt die jetzt heute sind. Und das sind ja heute auch Leute, die in Führungspositionen sind.
Das heisst, die Generation X ist auch wie der Babyboomer eine sehr geschaffene Generation. Sie arbeitet, sie leistet viel. Sie wissen teilweise auch, nicht immer, aber sie wissen schon auch, was Generationen ein, zwei vorher auf die Beine gestellt haben.
Was haben sie gemacht? Was haben sie für Firmen auf die Beine gestellt? Was haben sie entwickelt?
Und sie machen den ganzen wirtschaftlichen Aufschwung, den Babyboomer erschaffen haben, also verwalten, kann man so sagen. Und sie sind eigentlich zufriedener, weil sie ein wenig ausgeglichener arbeiten. Es ist ja schon vieles da, was sie noch weiterentwickeln können, was erschaffen worden ist.
Und nicht wie der Babyboomer nach dem Zweiten Weltkrieg wieder frisch aufzubauen. Sie können auch viel mehr aufs andere schauen. Wie können wir das noch perfekter machen?
Wie können wir es besser machen? Wie können wir das wirtschaftlicher machen? Wie können wir wirtschaftlicher produzieren?
Und wie können wir das auch verwalten? Aus diesem Grund hinaus haben wir auch viele Führungsleute, Führungspersonen in dieser Generation.
Marco
Die natürlich einfach reingewachsen sind. Und du hast jetzt gesagt verwalten, das hat natürlich zu tun mit dem. Es war alles schon da, sie konnten ein wenig reingewachsen sein.
Das erstaunt ja, dass sie unsichtbare Generationen genannt werden. Aber das sagen viele Leute. Obwohl sie 1,4 Milliarden sind, die sind mehr als jetzt Babyboomer, weil von den Babyboomern schon ganz viele gestorben sind.
Sie sind eine starke Generation. Aber sind sie vielleicht einfach stiller und unauffälliger?
Christian
Ja, sie sind sicher stiller und unauffälliger. Aber auch zufriedener. Sie haben ein ausgeglicheneres Leben.
Also ein besseres ausgeglicheneres Leben, als das Generation vorher hatte. Ich glaube, der Ausdruck «Work-Life-Balance» ist schon ein wenig von dieser Zeit her. Sie wissen, was sie leisten müssen.
Aber sie wissen auch, dass sie noch Hobbys haben. Sie wissen, dass sie eine Freizeit haben. Sie wissen, dass sie eine Familie haben, die auch seinen Raum und seinen Platz braucht.
Marco
Und das äussert sich dann wahrscheinlich auch auf gesundheitlicher Ebene? Ja. Das müsste ja heissen, wenn man das jetzt ein wenig weiterdenkt.
Wahrscheinlich haben sie weniger Gesundheitsprobleme als Babyboomer. Oder wenn schon, andere?
Christian
Also, ich muss es so sagen. Bis Jahrgang 70, also von irgendwo 50, 55 Jahren bis Jahrgang 70, sind die Krankheitsbilder von Überlastung, von Burnout und vor allem von mechanischen Überlastungen wie Knie- und Hüftprobleme, wie Nackenbeschwerden und so, bis Jahrgang 70 das grösste Thema. Also eigentlich theoretisch Mitte der Generation X.
Und zwischen 1970 und 1980, 1985, muss ich sagen, haben wir eigentlich weniger Klienten, die demzufolge auch weniger gesundheitliche Probleme haben, die zu mir kommen. Weil halt einfach, wie gesagt, schon das ein wenig zum Zug gekommen ist. Nicht nur arbeiten, sondern eben auch den Ausgleich haben.
Marco
Und das macht dann einfach gesünder? Man lebt besser?
Christian
Ja, wenn man zufriedener lebt, wenn man zufriedener arbeitet, wenn man eine zufriedenere Freizeit hat, ist natürlich klar, dass man auch die mentale Gesundheit, was schlussendlich auch die körperliche Gesundheit beeinflusst. Und wir haben halt einfach auch nicht mehr in dieser Generation die, wie soll ich sagen, die körperlichen Beschwerden, die uns vorgelebt wurden. Ich meine, wenn man schaut, unsere Generation mit Kreuzschmerzen, mit Rückenweh, mit Nackenschmerzen, mit Knieproblemen, Fussproblemen, war viel, viel grösser ein Nachteil.
Und danach klingt das so ein wenig ab, weil man nicht nur einfach, wie gesagt, nicht nur einfach kämpft, sondern man fängt auch ein wenig an zu leben. Das hat aber auch damit zu tun, dass es eigentlich gesellschaftlich besser geht. Wir haben eigentlich ein gutes Einkommen, wir haben hier in der Schweiz, ich kann eigentlich noch nicht mehr von der Schweiz sprechen, wir haben einen guten Jobs, weil bereits ja nicht mehr so viele Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, schätzt man die Arbeiter auch ein wenig mehr.
Das heisst aber auch, wir können auch dementsprechend ein wenig verlangen und wenn jemand hier irgendwo den richtigen Weg findet, von Leistung zu dem, was er schlussendlich in die Löhne bekommt, dann geht es eigentlich dieser Generation wirklich auch besser.
Marco
Jetzt ist in dieser Zeit das Krankheitsbild, Krankheit, ja oder nein, kann man diskutieren, ADHS aufgekommen. Das ist jetzt tatsächlich eine Erscheinung von dieser Generation. Macht das Sinn, dass das genau jetzt passiert?
Was ist der Hintergrund?
Christian
Weisst du, unsere Generation, Marco, hat das nicht gekannt.
Marco
Das Wort mindestens nicht.
Christian
Hat das Wort, die Bezeichnung in diesem Sinne nicht gekannt. Ich bin Legastheniker, ich bin hyperaktiv, ich habe eine Lernschwäche, ich habe eine Leseschwäche, ich habe all das. Also wäre ich so auch schon gewesen.
Aber man hat es nicht gekannt in diesem Sinne. Man hat sich irgendwie einfach durchgemogelt. Ein Lehrer hat mich auch einfach einmal nachgezogen.
Ich hatte kein Problem in diesem Sinne. Ich bin weder ich noch mein Lehrer, wenn ich einen Zweier oder Dreier nach Hause gebracht habe im Deutsch. Das war nicht so ein Problem.
Dafür war ich in anderen Fächern sehr gut. Ich war kommunikativ, ich war im Rechnen, in Geometrie und in all diesen Sachen war ich gut. Das hat sich aufgehoben, ja.
Aber irgendwann, ich frage mich nicht, wer das mit dem ADHS erfunden hat, wurde es halt irgendwie schon zum Stempel, den man dann jemandem aufsetzen konnte. Ich habe zu der Zeit, als mein Sohn das Problem hatte, als man ihn getestet hat und gesagt hat, ja, das ist ein Problem, das ADHS und so, war ich seinerzeit mal als Vater in einer Gruppe von betroffenen Eltern mit solchen Kindern. Und da musste ich sagen, was habt ihr für Probleme.
Es ist ein Kind wie jeder andere auch. Ein Kind, das so ist, ist halt dementsprechend viel kreativer, viel wortgewandter vielleicht in den Sachen und entspricht halt einfach nicht mehr ganz der Schule oder der Bildungsformen so, wie man das wünscht, dass sie Probleme auskönnen, einfach mitgenommen werden. Und ja, in dieser Zeit hat das halt angefangen, Fussfassen mit diesem Ausdruck, man haben angefangen zu testen.
Länger sie mehr, sind dann diagnostiziert worden mit diesem Begriff und dementsprechend auch Medikamente ab gereicht worden, wie Ritalin und so, wo eigentlich der Boom von diesem Medikament, der ja ursprünglich mal ein Abnehm-Medikament war, dafür haben wir ja heute diese Abnehm-Spritze, aber mit Ritalin würde nicht das Gleiche passieren. Nein, es hat gehypt. Es war halt einfach da und der Hype war da.
Länger sie mehr und immer mehr hat man darüber geschrieben, man hat darüber gelesen, man hat darüber berichtet, hier hat man darüber gelesen, da war es noch in den Zeitungen, da ist es in den Medien gekommen, länger sie mehr. Ja, es hat halt dort den Anfang genommen von dem Ganzen. Aber es gibt es eigentlich heute nicht mehr als früher, aber es war einfach anders.
Und Sie sind heute einfach diagnostiziert im Gegensatz zu früher? Ja, man hat dementsprechend Tools entwickelt, dass man das auch testen konnte. Und dass man dann irgendwann einem Kind, schlussendlich damals nur den Kindern, heute auch den Erwachsenen, einen Stempel aufdrucken kann.
Marco
Würdest du jetzt aus der Altersgruppe, die du in deiner Klientel hast, würdest du sagen, es fällt da auf? Hat es da effektiv mehr ADHSler?
Christian
Es fährt an dort. Und vor allem dann eben auch, die, die dann älter werden oder älter sind, haben das Problem mit ihren Kindern, die wiederum eine Generation später sind. Und darum wird das eben auch vielmehr zum Thema.
Durch ihre eigenen Kinder und Auffälligkeiten ihrer eigenen Kinder wird das natürlich dann zum Thema. Und so wird es halt vielmehr zum allgemeinen Thema.
Marco
Jetzt sind ja die Generation Xler hineingewachsen, das haben wir schon gesagt, in eine wirtschaftlich relativ gute Zeit. Auch zum Teil, dank dem, dass sehr viele Mütter in dieser Zeit angefangen haben, auch zu arbeiten. Da hat es jetzt in dieser späten Baby-Boomer-Zeit relativ viele ältere Paare gegeben, die beide älter gearbeitet haben.
Und da ist der Begriff von den sogenannten Schlüsselkindern aufgekommen. Das ist jetzt wieder eine andere Geschichte, ein anderer Aspekt von dieser Generation X. Bei denen hat es relativ viele gehabt, die als irgendwie kleine oder nicht mehr ganz so kleine Kinder halt heimgehen mussten mit einem Schlüssel und sie waren dann eine Weile lang zu Hause allein.
Das heisst, sie mussten früh selbstständig werden, sie mussten Aufgaben übernehmen. Hat sich das geäussert? Könnte jetzt etwas besser oder weniger gut durch das?
Christian
Nein, denke ich nicht, aber es ist halt einfach auch, wie soll ich sagen, es war diese Zeit, die generell natürlich kurz vorher diese, wie soll ich sagen, diese Tumult angefangen hat, diese Hippie-Zeit angefangen hat, die eines der älteren bereits schon von denen mitgelebt worden ist.
Marco
Das ist natürlich wahr, ihre Eltern waren zum Teil Hippies. Hippie-Beifuss leiserzumindest.
Christian
Das heisst aber auch, man hat vielleicht diese Jahrgänge etwas offener erzogen, nicht mehr so streng. Man hat es offener erzogen, weil man halt selber auch noch vielleicht ein bisschen diese offene Einstellung hatte und hat sich eigentlich auch nicht das Gewisse gemacht, wenn halt das Kind einen Schlüssel von der Wohnung hatte und die Mutter nicht zuhause war, weil die Mutter halt eben auch die Frauen, die Mütter haben auch einen Aufbruch mitgemacht, weil sie haben auch weiter arbeiten wollen. Sie wollten nicht nur einfach zuhause am Herd sein und den Haushalt führen, sondern sie haben auch sinnvolle Tätigkeiten ausserhalb des Haushalts beginnen wollen.
Und dadurch hat man halt einfach auch den Kindern wie soll ich sagen, ein bisschen mehr Freiheit, ein bisschen mehr Freiraum gegeben und ja, vielleicht einen Schlüssel um den Hals gehängt, weil sie halt einfach dann nach der Schule nach Hause gekommen sind, wo die Eltern noch oder auch die Mutter vor allem halt eben nur am Arbeiten war. Aber auch, es hat auch damit zu tun, es ist die Generation, die hat angefangen zu scheiden. Babyboomer sind eher die, die gesagt haben, man scheidet nicht, man muss zusammenhalten in schwierigen Zeiten und alles zusammen und irgendwie die Generation X, für die ist das eigentlich selbstverständlich geworden, dass wenn es dann wirklich nicht mehr geht, dann lässt man sich halt scheiden.
Und demzufolge hat dann halt einfach auch eine Mutter müssen arbeiten gehen, in der Regel. Und das hat aber auch nicht nur einen Nachteil gehabt, es hat auch sehr viele Vorteile gehabt für die Kinder, dass sie ja selbstständiger geworden sind.
Marco
Also sie einfach mussten lernen, ihre Sachen selber zu machen. Und was hast du unter deiner Klientel für Erfahrungen? Kommen die mit ihrem Leben gut zu Gang?
Christian
Sie kommen, wie soll ich sagen, bis zum Jahrgang 69, 70 her, sind sie eigentlich wie noch so ein bisschen von den Gebrechen und allem zusammen, von der Einstellung her, wie Babyboomer. Und nachher tut das halt eben ein bisschen ändern und ich sage, das ist da zwischen 70 und 80 rein, wo eigentlich die typische Generation X zum Tragen kommt. Wo eigentlich zufriedener sind und wie gesagt, von denen in Form von Klientel her, weniger, ich kann es ja nur immer anschauen, innerhalb der Neuanmeldungen, weniger Probleme da sind, die jetzt bei mir gelöst werden müssten.
Marco
Du hast ja vorhin schon den Begriff Work-Life-Balance eingebracht und das war ja das, wo wir genau bei den Babyboomer sagen mussten, das müssen die zum Teil noch lernen oder vielleicht auch jetzt im Alter, wo sie eigentlich mit der Pensionierung umgehen müssen, also die Generation X muss das weniger lernen. Die haben im besten Fall eine gute Balance zwischen Arbeiten und wenn man sowieso trennen will, Arbeiten und Leben.
Christian
Ja, sie haben auch den Mut dafür einzustehen. Sie hat nicht mehr diese Einstellung, ich darf nicht künden, ich muss diesen Scheissjob durchziehen, sondern sie könnte künden und es hat genug Jobs, wo sie wieder einsteigen können. Der Babyboomer ist natürlich ganz anders, der hat immer noch diese Einstellung, wenn ich mal 55, 60 bin, dann finde ich nie mehr einen Job.
Wenn du so denkst, dann läuft dein Leben auch so. Ich habe aber auch Klienten, die 65 sind, die 70 sind, die diese Einstellung nie hatten, die gerne gearbeitet haben und gesagt haben, ich finde immer etwas und mit dieser Einstellung sich vorstellen oder in ein Business hinein sind und überhaupt nicht so denken. Die Generation X hat eher das Denken natürlich freier sein, freier entscheiden können, eben auch mit den Scheidungen, aber eben auch in der Arbeitswelt.
Dass sie mutiger sind zum entsprechenden neuen Job, einen anderen Job zu suchen.
Marco
Sie sind mutiger und selbstständiger, jetzt hört man aber auch gelegentlich, dass auch die gelegentlich leiden an irgendetwas, aber man hat vorhin schon gesagt, wir haben auch diese unsichtbare Generation, sie leiden möglicherweise leiser und stiller einfach vor sich hin.
Christian
Ja, sie haben teilweise eben, was in dieser Generation drin ist, ist wirklich das Nervenkostüm. Wo sie könnten, eigentlich freier sein, aber sie haben teilweise noch das Denken, das ihnen vorgelebt worden ist von den Eltern. Man arbeitet, man macht das, man schaut auf sich, man schaut auf die Gesellschaft und aufs Geschäft und alles zusammen.
Diese Einstellung haben sie noch. Weil das, was dir vorgelebt wird, das lebst du nachher. Und das heisst, eine Generation zieht immer irgendwo ein, zwei Generationen weiter diese Merkmale mit.
Weil es halt einfach vorgelebt worden ist. Und die Generation X ist eigentlich die, die mit ganz Jungen im Business mit der Generation Z zum Beispiel Mühe haben. Also, dass so jemand sehr schnell sagt, also die Generation Z, die weiss nicht mehr was arbeiten ist und die kommen und sie wollen 100% Lohn, sie wollen aber nur 70% oder 80% arbeiten, das sind doch einfach faule Typen.
Das ist noch ein bisschen die Einstellung, die sie haben. Das ist noch ein bisschen, auf einer Seite wird einversucht, dass die Jungen einstehen können für sich und dass es dort kein Problem ist, weil sie können immer noch zwischen drei Jobs auswählen, weil es einfach zu wenig Leute hat. Weil sie zu wenig Personal haben, können sie verlangen und können sagen, ich will das und das, du willst oder willst nicht und darunter komme ich nicht.
Wenn ich schaue, mein jüngster Sohn der ist Generation Der hat letztlich gesagt, ich hatte ein Vorstellungsgespräch, in seiner Jugend war er ein Riesenflieger und auch das und das, ein bisschen ungestüm und hat nichts auszulassen, egal auf welcher Ebene. Irgendwann hat er angefangen den Knopf zu öffnen, hat angefangen Ausbildung zu machen und das und das. Dann ist er wirklich in der Berufswelt angekommen und er ist nicht auf den Kopf gefallen, er weiss, was er will, er weiss, von was er spricht, er ist unheimlich selbstbewusst, was ich als junger Junge oder als Bursche auch war, das wäre ich nicht unternehmen worden mit 23.
Und wie soll ich sagen, da hat er gesagt, ja weisst du, dann bin ich letztlich dort hingegangen und diskutiert mit dem Chef wegen dem Job und da hat mich der Chef gefragt, wie siehst du es denn, wie sieht deine Zukunft aus? Und nachher hat er gesagt, also wenn ich den Bauleiterkurs fertig habe, dann möchte ich noch ein paar Jahre auf dem arbeiten und bis in 4-5 Jahre bin ich selbstständig. Also nach dem Motto, du weisst jetzt schon, in 4-5 Jahre bin ich wieder weg.
Er weiss, von was er spricht und er weiss, dass er in seinem Bereich wirklich gut ist. Er ist unheimlich wach und er ist vom Handwerker her gekommen und weiss, was das heisst, wenn man Häuser baut, wenn man Immobilien aufstellt, auf was man schauen muss, dass man keinen Wasserschaden hat, dass man das nicht hat, dass man das nicht hat, wie man mit diesen Leuten umgehen muss. Er kommt mit jedem zu Schlagen, weil halt einfach er geht auf den anderen ein, er spürt den anderen und weiss, wie er da verhandeln muss oder wie er jemanden nehmen muss.
Und v.a. diese Hemmungen, die ich z.B. hatte in diesem Alter, ich konnte nicht einstehen für mich. Ich kannte das nicht, ich konnte für alle Berge versetzen, aber für mich nicht.
Marco
Und das war offenbar wirklich eine Zeitentscheidung, das sagen ja viele aus dieser Generation, obwohl es auch damals genug Jobs gab, oder?
Christian
Es gab schon genug Jobs, ja, ich hätte auch auslesen können, wenn ich nicht selbstständig werden wollte. Aber es geht einfach darum, um auf das zurückzukommen, Generation X, die Babyboomer, die diesen Jungen eigentlich genau das vorwerfen, vielleicht auch ein bisschen aus Eifersucht, dass sie das jetzt können, dass sie für sich einstehen können und dass sie auswählen können, was wir teilweise nicht konnten. Obwohl wir früher genau gleich Probleme hatten, um gute Leute zu bekommen.
Heute ist das Problem, um überhaupt Leute zu bekommen, geschweige, dass diese noch gut sind, dann hast du vielleicht irgendwie mal wie einen Lotto-Sechser, ja, das hat sich alles völlig geändert und verwandelt, oder? Und sie haben andere Probleme. Und sie leben in einer anderen Zeit.
Aber das heisst nicht, dass wir eigentlich in unserer Generation, oder auch Generation später, in X, müssen auf diese eigentlich eifersüchtig sein, sondern wir können sagen, weisst du was, es ist verdammt cool, dass du das kannst, cool, dass du für dich einstehen kannst.
Marco
Ja, aber wir könnten ja vielleicht sogar etwas abschauen.
Christian
Wir könnten ja etwas lernen. Du hast ja auch mal gesagt, du hättest irgendwie einen Lehrerkollegen gehabt, der einfach über die jungen Null ausgewählt hat. Wieso?
Weisst du, wenn man auf jemanden zeigt, wenn man auf jemanden zeigt, schauen die anderen drei Finger gegen sich, also haben ja wir ein Problem. Also müssen auch jetzt wir als Babyboomer, oder als Generation X, wir dürfen uns mit der Generation, die jünger ist, auseinandersetzen, warum funktionieren die so, warum sind die so, und sagen, weisst du was, cool, ich mache das gut.
Marco
Das heisst, man müsste vielleicht ein wenig seine Optik überdenken, er würde vielleicht ein wenig verschieben. Zurück aber noch einmal zum Gesundheitsaspekt. Wir haben ja gesagt, unsichtbar, vielleicht jetzt nicht so klar, greifbar in allem.
Trotzdem hast du deine Altersgruppe ja bei dir. Mit was für, also vielleicht zwei Sachen, mit was kommen sie überhaupt grundsätzlich, wegen was melden sie sich bei dir an, und was steht allenfalls dahinter?
Christian
Sehr oft sind es halt einfach die Clinch, die sie haben, zwischen diesen Generationen. Sie haben teilweise Clinch mit den Vorfahren, weil sie es einfach anders machen als ihre Eltern. Ein ganz gutes Beispiel ist immer wieder im Januar.
Wenn ich mit den Leuten arbeite im Januar, kommen die Muster, die vorgelebt worden sind von den Eltern, spüre ich ganz extrem. Und dann kann ich jemandem sagen, du warst ja an den Festtagen bei den Eltern, da hast du dich an den Festtagen mit den Verwandten auseinandergesetzt. Das heisst, mit den alten Mustern, das merkst du jemandem an.
Aber das sind auch wirklich die Themen, die vor allem in dieser Generation drin sind, dass sie einfach, wie soll ich sagen, in diesem ganzen Gefüge ihre Probleme haben. Das ist psychisch. Wie merkst du es jemandem?
Psychische Probleme. Teilweise, weil sie überfordert sind. Eben, Burnout.
Dass das einfach zum Tragen kommt. Auf die andere Seite teilweise die Unzufriedenheit, die Mühe, umzugehen mit den Eltern, mit den Grosseltern. Sich da mutig ins Zeug legen, um einmal Nein zu sagen.
Um einstehen für sich. Das heisst aber auch zum Beispiel, dass die Lungengeschichten, die Herzgeschichten hier, eigentlich in diesem Alter oder von dieser Generation mehr sind als zum Beispiel nachher. Dass halt einfach diese, wie soll ich sagen, die mentale Überforderung sehr präsent ist.
Eben, sie haben mit den ganz Jungen ihre Probleme. Und auf die andere Seite sind sie auch die, die ja auch das, was Generationen ein, zwei vorher erschaffen hat, erwirtschaftet hat, verwalten. Und wenn sie in die Medien schauen und in die Welt schauen, machen sie sich natürlich schon Gedanken, was passiert mit all dem, was wir hier oder unsere Vorfahren auf die Beine gestellt haben.
Was heisst das wirtschaftlich, vor allem jetzt? Also, das sieht man. Man sieht zum Beispiel, dass das letzte Jahr schon und das vorletzte Jahr die Verkaufszahlen von neuen Autos extrem zurückgegangen sind.
Das heisst, die, die diese Autos kaufen, die Generation, die diese Autos kaufen und neue Autos kaufen, die sind unheimlich unsicher. Die wissen nicht, was auf sie zukommt. Und was heisst das?
Wenn man nicht weiss, was auf einem zukommt, dann ist man halt ein wenig sparsamer. Nach dem Motto, ich weiss ja nicht, was noch alles passiert. Also, wenn man eine Investition macht, die ich gerne machen würde, schiebt man das noch ein wenig auf und wartet noch ein wenig.
Das ist eines. Und das andere ist natürlich auch mit den neuen Technologien, mit den E-Autos und allem zusammen, dass das schon verändert hat in dieser Generation. Das gibt ihnen ein wenig Unsicherheit, die sie auch verstehen.
Marco
Das ist dann aber vielleicht nicht nur eine ökonomische Unsicherheit, sondern ich hätte vielleicht sogar das Geld und würde das Auto kaufen, aber ich weiss jetzt einfach nicht, was für eines.
Christian
Ja, weil es ist ja nicht so, dass man eine riesige Arbeitslosigkeit hätte, dass sie Angst haben müssten, sondern das, was in der Welt aussen passiert. Wenn irgendwie in den Medien wieder irgendetwas geschrieben wird, dann wird immer wieder irgendwo das Wort gebraucht oder die Kombination gebraucht. Dritter Weltkrieg.
Und, und, und, was passiert da mit uns? Was passiert dort? Was passiert mit der Ukraine?
Was passiert mit diesem Blondschopf hier in Amerika, der sich benimmt wie ein König und das Gefühl hat, die ganze Welt gehört ihm und er kann die einfach einnehmen, so wie er will. Das macht die Leute unheimlich wütend und macht es aber auch unheimlich unruhig. Ich sehe ja, ich habe ja für solche Probleme, wo die Leute darüber sprechen möchten, aber irgendwie nicht den Mut haben direkt, habe ich ja auf meiner Homepage die sogenannte Seelenbox eingerichtet.
Dass jemand anonym kann schreiben, was ihn beschäftigt. Was ich, was dann auch für mich eigentlich einen Anhaltspunkt gibt, was wir da zum Beispiel als Podcast machen, was beschäftigen die Leute. Und dort extrem viel eben das geschrieben wird, die grosse Unsicherheit, auch die grosse Wut auf die bestimmten Leute, die die Welt wollen, neu erfinden und neu beherrschen und halt einfach, was rund um mich herum zusammenläuft.
Das beschäftigen die Leute unheimlich und das heisst aber auch, dass wirtschaftlich da halt einfach ein bisschen stagniert, dass nicht dementsprechend die Ausgaben der Schweizer, die ja sicherheitsbezogen sind, halt da ein bisschen auf der Bremse steht. Und ich sage auch immer, früher hat man gesagt, wenn es den Leuten schlecht geht, dann wird mehr Brot verkauft, weil Brot ist billiger als Fleisch. Heute ist es so, dass Brot immer noch gut verkauft wird, aber man kauft weniger teures Fleisch, man kauft mehr Bullenfleisch und so.
Das ist effektiv so. Es wird nicht weniger Fleisch konsumiert, aber es wird billiges Fleisch konsumiert. Und das ist in fast allem so.
Wenn ich am Abend mein Geld rausnehme, bei mir muss ja jeder noch ein paar bezahlen, weil ich will einfach wissen, was ich erschaffe. Ich will das in meinen Händen haben. Ich will auch wissen, oder respektive ich will auch das Bewusstsein von dem, was das Geld ausgibt und zu mir bringt, was das für ihn heisst.
Und das spürst du am Geld an und das merkst du auch. Und ich habe hier einen sogenannten Portemonnaie-Barometer. Das heisst, je kleiner die Noten werden im Portemonnaie, also wir haben noch nie so viele 10er und 20er Noten bekommen, wie in den letzten Jahren, anderthalb Jahren.
Marco
Was bedeutet das?
Christian
Die Summe, die es zahlt, ist ja gleich Aber sie müssen es irgendwo aus einem Sparbüchsel rausnehmen oder irgendwo sonst rausholen. Oder aus dem Geld, das man nur im Portemonnaie hat. Weil man hat ja kein Portemonnaie-Geld mit ihnen, man hat es ja auf einem Karte, und ich nehme kein Karte, weil ich will einfach auf dem beharren, weil ich weiss, warum.
Und ja, es ist halt einfach die ganze, das Misstrauen der Wirtschaft, der grossen, globalen Wirtschaft gegenüber und halt einfach der globalen Mächte, die da sind. Und das zeigt sich ab. Und das ist natürlich schon auch eine Generation, die Generation X, die sich natürlich schon auch sehr viele Gedanken macht.
Wie gesagt, wir haben ja die meisten grossen Führungspersonen, die sind jetzt in dieser Generation drin.
Marco
Können wir vielleicht zum Schluss dieser Generation noch etwas mitgeben? Also wir haben gesagt, es ist ja eigentlich ein bisschen ambivalent, die ganze Geschichte. Einerseits haben sie ihre Work-Life-Balance relativ gut im Griff, und auf der anderen Seite beneiden es doch die Jüngeren, also ihre Kinder und vielleicht sogar ihre Enkel, die einfach noch besser für sich selber einstehen.
Was kann man ihnen, einen pauschalen Ratschlag geben?
Christian
Ja, einen pauschalen Ratschlag einfach, beschäftigt euch mit den Jungen. Fragt sie, diskutiert, seid einmal alle so mutig und sagt den Jungen, und jetzt legt ihr euer Handy auf die Seite, jetzt sitzen wir an einem Tisch, nehmen uns ein gemütliches Ferien oder einen gemütlichen Brunch oder was auch immer, und dann diskutieren wir miteinander, dass wir die Jungen überhaupt einmal verstehen. Dass wir nicht ausrufen mit ihnen, sondern dass wir es verstehen.
Und irgendwo haben die super Einstellungen und super Ideen, die vielleicht uns gar nicht einfallen. Als ich Unternehmer war und Lehrling ausgebildet habe, habe ich einen Lehrling als Mensch genau gleich wertvoll angeschaut wie ein 30-, 40-, 50-Jähriger. Weil er einfach eine andere Einstellung hat, eine andere Idee, eine verspieltere Idee, eine wachere Idee.
Und dem hat einfach auch der Raum und der Platz gegeben. Also wenn wir ein Meeting gemacht haben mit allen Angestellten, das habe ich einmal gemacht im Monat, wir sind wirklich auf den Tisch gesessen und haben alle zusammen gesagt, was ihnen nicht passt und wir haben miteinander gesprochen. Und auch das, was der Stift gesagt hat, genauso viel Raum und Platz und Wert bekommen, wie das, was jemand, der schon 30, 40 Jahre im Berufsleben ist, gesagt hat oder eingebracht hat.
Und das ist wichtig, dass man es eben auch versteht.
Marco
Das kann man wahrscheinlich nicht nur dieser Generation mitnehmen, sondern überhaupt allen. Miteinander reden.
Christian
Ja, und sich Gedanken machen, warum ist denn der so? Und sich auch den Mut haben, das vielleicht auch jemandem einmal zu sagen, dass man der gleichen Meinung ist. Weil die Jungen machen das.
Dann dürfen es auch wir, unsere Generation, auch Generationen nach uns. Gut, bis zum nächsten Mal. Tschau.




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